RAPID-Modell

Das von Bain & Company entwickelte RAPID-Modell ist ein Entscheidungsinstrument, das dabei hilft, Verantwortlichkeiten bei Entscheidungen mit mehreren Projektbeteiligten zu klären. Den Teammitgliedern werden die verschiedenen Rollen des Modells, die für eine Entscheidung notwendig sind, zugeordnet. Durch die genaue Zuordnung soll eine verbesserte Entscheidungseffektivität erreicht werden. 
Holzblöcke mit Pfeilen zeigen einen Entscheidungsweg von gerader Linie zu mehreren Richtungen auf geteiltem blau-gelbem Hintergrund.

Inhalt

Wofür steht RAPID?

Die verschiedenen Rollen werden durch das Akronym „RAPID” dargestellt. Die fünf essenziellen Rollen des RAPID-Modells sind: „Recommend” (empfehlen), „Agree” (zustimmen), „Perform” (ausführen), „Input” (beitragen) und „Decide” (entscheiden). Jede Rolle hat klare Zuweisungen und Verantwortlichkeiten, sodass sichergestellt ist, dass die Entscheidungsträger alle Informationen zur richtigen Zeit erhalten. Die Reihenfolge der Buchstaben im Akronym ist nicht bindend, beispielsweise kann die Rolle des Inputs auch früher benötigt werden.

Die Rolle „Empfehlen“ (R) 

Die Rolle der Empfehlung treibt den Entscheidungsprozess voran: Zunächst werden relevante Informationen gesammelt und analysiert, anschließend wird eine Empfehlung für den Entscheidungsträger erarbeitet. Für jede Entscheidung wird nur eine Person als Empfehlender benannt. Dieser hat umfassende Transparenz und Zugang zu allen relevanten Informationen. Zu Beginn stimmt sich der Empfehlende mit dem Entscheidungsträger über den strategischen Kontext, den Zeitplan, die Entscheidungskriterien sowie die benötigten Informationen ab. Er muss das Vertrauen des Entscheidungsträgers genießen und glaubwürdig gegenüber allen anderen RAPID-Rollen sein. Zudem ist er dafür verantwortlich, die Projektbeteiligten rechtzeitig anzuleiten und einzubinden, um eine schnelle und effiziente Entscheidungsfindung sicherzustellen.

Die Rolle „Zustimmen“ (A) 

Der Zustimmende muss bestätigen, dass die endgültige Empfehlung dem Entscheidungsträger vorgelegt werden darf. Zustimmende Rollen sind nicht für alle Entscheidungen erforderlich. Wurde eine solche Rolle jedoch vergeben, stellt sie sicher, dass die Empfehlung bestimmte zwingende Anforderungen, wie beispielsweise gesetzliche oder behördliche, erfüllt. Können sich die Rollen „Empfehlen” und „Zustimmen” nicht einigen, trifft die Rolle „Entscheiden” die endgültige Entscheidung.

Die Rolle „Ausführen” (P) 

Nach einer Entscheidung muss schnell eine ausführende Rolle festgelegt werden, um einen zeitnahen Übergang in die Umsetzungsphase zu gewährleisten. Dafür ist die Rolle „Ausführen” verantwortlich. Sie sollte die Absicht und den Kontext einer Entscheidung verstehen. Sie identifiziert die Personen oder Teams, die die Entscheidung umsetzen, und markiert somit den letzten Schritt im Entscheidungsprozess. Dies verdeutlicht, dass RAPID nicht zwingend in der Reihenfolge des Akronyms durchgeführt werden muss. Idealerweise werden die ausführenden Personen bereits frühzeitig festgelegt und, falls sinnvoll, auch in der Input-Rolle beteiligt. Ausführende können zudem auf mögliche Umsetzungsprobleme hinweisen, die bereits in der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden sollten.

Die Rolle „Beitragen“ (I) 

Die Rolle „Beitragen“ steuert Fachwissen, Erfahrung und entscheidungsrelevante Informationen bei, die die Empfehlung mitgestalten. Daher sollte diese Rolle idealerweise frühzeitig besetzt werden. Die Person in dieser Rolle trägt eine große Verantwortung und kann durch fundierte, zeitnahe und glaubwürdige Beiträge erheblich die Qualität einer Entscheidung beeinflussen. Personen in der Input-Rolle sollten entweder direkt von der Entscheidung betroffen oder an ihrer Umsetzung beteiligt sein. So können sie potenzielle Risiken und nachgelagerte Auswirkungen frühzeitig sichtbar machen. Auch wenn ihr Input in der finalen Entscheidung möglicherweise nicht berücksichtigt wird, müssen sie sich in den Entscheidungsprozess einbezogen, respektiert und befähigt fühlen.

Die Rolle „Entscheiden“ (D)

Die Rolle „Entscheiden” trifft die endgültige Entscheidung, durch die die Organisation zum Handeln verpflichtet ist. Sie verfügt über einen umfassenden Überblick über die Vor- und Nachteile und trägt die Hauptverantwortung für das Ergebnis. Vorab stimmt sie sich mit dem Empfehlenden über den geeigneten Entscheidungsprozess ab. Anschließend kommuniziert sie die Entscheidung und die Gründe dafür an die Projektbeteiligten. Zudem stellt sie sicher, dass die Entscheidung mit den entsprechenden Ressourcen unterstützt wird. Idealerweise gibt es für jede Entscheidung nur eine entscheidende Person. Wenn die Entscheidungsrolle von einer Gruppe wahrgenommen werden muss, sollte im Vorfeld geklärt werden, wie im Falle fehlender Einigkeit eine Entscheidung herbeigeführt wird, beispielsweise durch Stimmenmehrheit.

Vorteile des Modells

Nicht jede Entscheidung erfordert die formale Zuteilung von RAPID-Rollen, denn der Aufwand sollte dem Nutzen angemessen sein. Dennoch schafft die Verwendung des Modells Transparenz und Klarheit in Entscheidungsprozessen, indem es die Verantwortlichkeiten eindeutig zuweist. Dadurch werden Unklarheiten reduziert und eine zügige Umsetzung gefördert. Ein wesentlicher Vorteil liegt in der strukturierten Zuweisung von Beteiligungsrechten, da genau festgelegt wird, welcher Projektbeteiligte welches Feedback geben kann und welcher nicht.

Zu Beginn empfiehlt es sich, das Modell gezielt auf häufig wiederkehrende Entscheidungen anzuwenden, da die Anwendung des Modells mit zunehmender Erfahrung intuitiver und flexibler wird. Organisationen, die RAPID gezielt einsetzen, erzielen sichtbare Verbesserungen bei wichtigen Entscheidungen und stärken gleichzeitig die allgemeine Entscheidungsfähigkeit ihrer Teams.

Schließlich gilt: Effektive Entscheidungsfindung ist ein zentraler Faktor für unternehmerischen Erfolg. Leistungsstarke Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie konsistent qualitativ hochwertige Entscheidungen treffen.

Mögliche Stolpersteine

Es sollte berücksichtigt werden, dass RAPID nicht von Anfang an einwandfrei eingesetzt werden kann, sondern Zeit benötigt, bis es intuitiv anwendbar ist. Die effektive Anwendung des Modells erfordert Übung und eine gemeinsame Lernkurve im Team. Mit zunehmender Erfahrung wird der Einsatz jedoch immer intuitiver und effizienter.

Durch die Zuteilung der Rollen kann es zu Konflikten kommen, wenn sich manche in einer anderen Rolle sehen oder sich übergangen fühlen. Solche Spannungen sollten frühzeitig offen angesprochen und geklärt werden, um das Vertrauen im Team zu bewahren und die Zusammenarbeit nicht zu belasten. Eine transparente Kommunikation und ein klarer Rahmen helfen dabei, Rollen nachvollziehbar und akzeptiert zu gestalten. Zudem müssen Entscheidungen nicht zwangsläufig von einer Führungsperson getroffen werden. Dies kann verschiedene Gründe haben: Beispielsweise kann so eine Voreingenommenheit vermieden werden oder die Entscheidung kann von einer Person getroffen werden, die sich besser mit der Thematik auskennt. Das Modell schafft somit die Möglichkeit, Verantwortung dort zu verankern, wo sie am wirkungsvollsten ist.

Fazit

Steht das Team vor einer Entscheidung, die sich aufgrund verschiedener Faktoren in unterschiedliche Richtungen entwickeln kann, kann es versuchen, diese mittels des RAPID-Modells zu treffen. Dabei kann jeder eine Rolle übernehmen und somit am Entscheidungsprozess teilhaben. Dies kann zwar herausfordernd sein, führt aber schnell und effektiv zu einer Entscheidung.

RAPID-Modell - Das Logo der IAPM.
Autor: IAPM intern
Schlagworte: Projektmanagement, RAPID-Modell

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