Werden Projektmanager bald von KI ersetzt?

Sarah Gandorfer hat sich in einem Artikel auf IT-Business.de mit einer Frage beschäftigt, die viele Menschen in den unterschiedlichsten Branchen beschäftigt: Werden wir alle bald durch Roboter und künstliche Intelligenz ersetzt? In einigen Bereichen erscheint es im Moment etwas wahrscheinlicher, dass KI bald noch viel mehr eingesetzt und wahrscheinlich auch eine Vielzahl an Aufgaben übernehmen wird. Aber gehören die Projektmanager tatsächlich auch dazu? Und wie wird der Wandel aussehen? Welche Aufgaben kann KI übernehmen und für welche benötigt man explizit menschliche Fähigkeiten? Die Debatte hält seit Jahrzehnten an und wird immer konkreter, weshalb Gandorfers Artikel auf großes Interesse gestoßen ist. Wir fassen ihn im Folgenden für Sie zusammen.
Werden menschliche Qualitäten und Fähigkeiten zukünftig immer überflüssiger?
Werden menschliche Qualitäten und Fähigkeiten zukünftig immer überflüssiger?

Allgegenwärtiger digitaler Wandel

Forscher von Gartner haben eine Untersuchung durchgeführt und Prognosen für das Jahr 2030 aufgestellt. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass bis dahin wahrscheinlich bereits 80 Prozent der Aufgaben, die heute noch von Projektmanagern übernommen werden, von künstlicher Intelligenz ausgeführt werden können. Das wird natürlich nicht bedeuten, dass es in zehn Jahren keine Projektmanager mehr gibt. Ganz im Gegenteil. Es bedeutet jedoch auf jeden Fall – ganz egal, ob die 80% realistisch sind oder ob es doch nur 40% oder 60% sind – dass sich das Berufsbild des Projektmanagers weiter verändern wird – in den kommenden zehn Jahren noch stärker und rasanter als bisher. Welche Wege der digitale Wandel genau gehen wird, ist nicht exakt voraussagbar. Dass er aber stattfindet und dass es zahllose Gelegenheiten und Möglichkeiten geben wird, steht bereits fest. Schließlich ist der Wandel in Gesellschaft und Wirtschaft längst in vollem Gange. Denken Sie nur einmal daran, wie Projektmanager vor zehn Jahren gearbeitet haben und wie sie heute arbeiten. Dabei können Sie davon ausgehen, dass der zukünftige Wandel noch an Geschwindigkeit zulegt.
 

Projektmanagement im Wandel

Projektmanager haben stets Informationen zusammengetragen, diese analysiert und die Ergebnisse dann dazu genutzt, ein Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Dies war seit jeher so und ist für viele als Tätigkeit nicht wegzudenken, weil es einen Mammutanteil der Arbeit des Projektmanagers ausmacht. Laut dem Forschungs- und Beratungsunternehmen Gartner und dessen Analysten soll sich aber gerade dieser Kernbereich des PM in den kommenden Jahren durch den Einfluss von KI ändern. Software wird wahrscheinlich in Zukunft einen bedeutenden Anteil an der Informationsbeschaffung und Datensammlung übernehmen. Auch das Analysieren und Erstellen von Rapporten wird bereits jetzt teils von Software übernommen. Die Prognosen von Gartner besagen, dass bereits in drei bis vier Jahren der Fokus der informationstechnologischen Unternehmen auf der Entwicklung und dem Vertrieb von digitalen Plattformen, KI und Virtual Reality liegen wird. All dies wird laut Gartner dazu führen, dass Projektmanager ganz andere, bessere, leistungsstärkere und umfassendere Programme zur Verfügung haben werden und dass dies ihre Arbeitswelt vollkommen umkrempeln wird. Der Vorteil liegt vor allem darin, dass KI Informationen einfach viel schneller durchkämmen und analysieren kann. KI wird also möglicherweise schon bald Unternehmen dabei unterstützen, ihre Ziele zu erreichen. Der Vizepräsident der Forschungsabteilung bei Gartner ist davon überzeugt, dass es so kommen wird. Er weiß aber auch, dass Projektmanager und Führungskräfte aktuell noch nicht die Werkzeuge haben, welche dazu nötig sind. Er sagt sogar, dass die meisten Unternehmen auf das digitale Zeitalter noch nicht ausreichend vorbereitet sind beziehungsweise die entsprechende Ausrüstung noch nicht haben.

Projektmanager mit anderen Aufgaben

Während die meisten Prognosen davon ausgehen, dass sich das Projektmanagement weitgehend verändern wird und möglicherweise tatsächlich bis zu 80% der Aufgaben eines Projektmanagers von künstlicher Intelligenz übernommen werden, ist dennoch klar, dass es Projektmanager auch weiterhin geben wird. Natürlich werden sie nicht alle arbeitslos, auch nicht 80% oder 50% von ihnen. Im Grunde können sich die Projektmanager dieser Welt darauf freuen, dass ihnen die künstliche Intelligenz in Zukunft vielerlei Aufgaben abnehmen wird. Das werden nämlich die Aufgaben sein, die zeitfressend und langweilig sind. Genau diese Art von Tasks können prima von einem Computer oder einer Software übernommen werden. Das langwierige und oft mühsame Zusammentragen von Daten, der Vergleich und die Analyse derselben, kann also bald auf die Software abgeladen werden. Gleichzeitig wird die Software an einem bestimmten Punkt etwas generieren, mit dem agile Projektteams arbeiten können. Dank KI wissen agile Teams in Zukunft schneller, welches ihre nächsten Schritte sein werden. Es bleibt mehr Zeit für die eigentlich kreativen Aufgaben und die eigentlichen Entscheidungen, die von Menschen auf Basis maschineller Analysen getroffen werden, während Big Data von einer Maschine übernommen wird.

Die neue Rolle der Projektmanager

Als Projektmanager wird man sich in den kommenden zehn Jahren einem enormen Wandel gegenübersehen. Das Berufsbild wie auch das Rollenbild des Projektmanagers werden sich grundlegend ändern. Carola Moresche beschreibt das Phänomen in einem Blogartikel auf der Webplattform „Projektmanagement, Produktivität, Leadership“ so, dass KI in nicht allzu ferner Zukunft vollkommen emotionsfreie Analysen anfertigen und Entscheidungen treffen wird. Der „neue Projektmanager“ wird kreativ sein, Konflikte lösen und sich darauf konzentrieren können, Innovationspotential zu erkennen sowie die darauf aufbauenden Innovationen möglich zu machen. So zumindest sieht es Carola Moresche. Projektleiter tun dies bereits jetzt. Aber in Zukunft wird genau dies ihr Hauptaufgabengebiet sein.

Keine Angst vor der Zukunft

Christian Kaupa weist in einem Artikel auf einen ganz wichtigen Punkt hin, nämlich darauf, dass natürlich auch KI ihre Projektmanager benötigt, um zu funktionieren. Wer also Angst davor hat, dass ihm KI alle Aufgaben wegnehmen wird, sollte sich darauf besinnen, dass KI selbstverständlich nicht allein arbeiten kann. Kaupa ist Vizepräsident der Insight und Data-Abteilung bei Capgemini und weiß nur zu gut, dass die ihn umgebenden Projektmanager schon heute die Arbeit und das Zusammenwirken von KI und von KI-Experten koordinieren müssen. Er betont die Wichtigkeit dieser Koordination, auch vor dem Hintergrund, dass KI besonders bei komplexen Projekten eingesetzt wird, die in der Regel agil ablaufen.
Autorin: IAPM intern

Schlagworte: Projektmanagement, Künstliche Intelligenz, Zukunft

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