GRIP-Modell nach Beckhard

Projektmanagement als soziales System hat die Kraft, Neues zu schaffen. Gerade bei agilen Projekten hängt der Erfolg stark von den Softskills, der sich selbstorganisierenden Teammitglieder und den Rahmenbedingungen des Projekts ab. Das Projektteam muss in kurzer Zeit die Fähigkeiten zum koordinierten Handeln entwickeln, um mit seiner Teamintelligenz, die Intelligenz des einzelnen Teammitglieds übertreffen zu können. Damit sich die Fähigkeiten und Kompetenzen aller Beteiligten entfalten können, muss der Projektmanager einerseits den Rahmen dafür setzen und der einzelne Mitarbeiter muss anderseits die Grenzen seiner Betrachtungsweise überwinden und sich auf ein gemeinsames Denken und Zusammenarbeiten einlassen. Das GRIP-Modell ist ein Vorgehensmodell zur Steigerung der Effektivität der Teamentwicklung und zur Verbesserung des Managements im Allgemeinen.
Mehrere Menschen stehen im Kreis und strecken ihre Hände zur Mitte übereinander. Die Aufnahme ist von unten fotografiert und zeigt ein Team, das Zusammenhalt, Zusammenarbeit und Gemeinschaft symbolisiert.

Inhalt

Die Komponenten des GRIP-Modells

Bei dem Modell handelt es sich um ein Akronym und steht für:
G – Goals: Welche Ziele werden angestrebt und wie werden diese vermittelt?
R – Roles: Rollenfestlegung und -beschreibung – wer ist wofür zuständig?
I – Interpersonal: Wie steht es um die zwischenmenschlichen Beziehungen?
P – Processes: Welche Prozesse finden statt und wie sind die Abläufe?

Goals (Zielentwicklung)

Ziele müssen entwickelt und vermittelt werden. Grundsätzlich ist das Projektteam über das Umfeld des Projekts und seine Stakeholder zu informieren. Die Meinungen der Teammitglieder dazu sollte der Projektmanager unbedingt aufgreifen. Projekte geraten immer wieder in Schieflage, weil nicht alle Beteiligten wissen, was geplant ist, oder weil Geplantes nicht kommuniziert wird. Der Projektmanager muss sicherstellen, dass die Teammitglieder in der Lage sind, das Projekt richtig einzuordnen und auf das gemeinsame Ziel zuzusteuern.
Im traditionellen Projektmanagement gilt darüber hinaus, dass das Projektteam über die Kosten-, Termin- und Leistungsziele, wie auch deren Priorisierung in Kenntnis gesetzt werden sollten. Im agilen Framework Scrum beispielsweise, müssen die Developer in vollem Umfang über das geplante Product Goal informiert werden und zwar bevor die erste Version des Product Backlogs erstellt worden ist.

Roles (Rollenfestlegung)

Im Team wird zunächst festgelegt, wer welche Aufgaben hat und wofür er zuständig ist. Bei Problemen oder Fragestellungen im agilen Projektmanagement ist es eine Frage der Teamentscheidung, wer anderen Mitgliedern gegebenenfalls bei ihren Aufgaben hilft (z. B. Tester erklärt Test-Driven Development, oder ein erfahrener Entwickler erklärt Entwicklungsvorgänge bei Pair bzw. Mob Programming). Dabei sich sollte jedes Teammitglied seiner Rolle bewusst sein und auch bereit sein, diese auszufüllen. Im Scrum ist bei Konflikten der Scrum Master als Moderator oder auch als Coach gefragt, bei einem traditionellen Projekt, der Projektmanager.

Interpersonal (Zwischenmenschliches)

Zwischenmenschliche Beziehungen sind durch die Fähigkeit der Beteiligten geprägt, wie sie miteinander kommunizieren, sich aufeinander einstellen und in den anderen hineinversetzen. Eine wichtige Hilfe gibt das Sender-Empfänger-Prinzip der Kommunikationslehre: Grundsätzlich besteht jede Kommunikation darin, dass Botschaften gesendet und empfangen werden. Auch besagt das Modell, dass es nicht möglich ist, nicht zu kommunizieren. Denn auch ein Abbruch oder die Verweigerung jedweden Kontaktes sendet ein Kommunikationssignal.

Verantwortlichkeiten beim Austausch von Inhalten

Verantwortungen des Senders: Sicherstellen, dass die Botschaft richtig angekommen ist, bspw. durch Nachfragen. Gegebenenfalls das Gesagte wiederholen lassen.
Verantwortung des Empfängers: Sicherstellen, dass alles richtig verstanden wurde. Möglichkeiten sind auch hier, die Botschaft in eigenen Worten wiederholen lassen oder ebenfalls nachfragen, um sicherzustellen, dass alles verstanden wurde.
Ein wesentliches Element der Arbeit eines Projektmanagers, oder Scrum Masters ist die Kenntnis, welche Stadien Gruppen durchlaufen, bis das Team optimal aufeinander abgestimmt ist (Teambildung). Es gehört zu ihren Aufgaben, zu erkennen, ob es Probleme gibt und falls dem so ist, die Mitarbeiter durch die verschiedenen Phasen zu begleiten.

Besonderheiten agiler Teams

Agile Teams sind interdisziplinär (cross-functional), das heißt, alle wesentlichen technischen Kompetenzen sind vorhanden, um das Projekt optimal bearbeiten zu können.
Die Developer sollten möglichst während der Projektlaufzeit beisammenbleiben, Mitglieder sollten nicht ausgetauscht werden. Dies ist notwendig, um ein sog. „Performing Team“ zu erhalten und eine möglichst optimale Velocity zu erreichen. Dabei obliegt dem Scrum Master der Job des Facilitators (Moderator) im Scrum Projekt, während der Product Owner sich um das Management der Stakeholder kümmert.
Handelt es sich um ein großes Scrum Projekt, können verschiedene Teams von Developern unter der verschiedenen Product Ownern arbeiten, die Gesamtverantwortung trägt in solchen Fällen der übergeordnete Chief Product Owner.

Processes (Prozesse)

Bei jedem Projekt liegt die Prozessverantwortung beim Projektmanager und im agilen Projekt liegt ein wichtiger Bestandteil für den Projekterfolg in der Festlegung, dass Scrum als Framework einen Rahmen vorgibt, in dem die Regeln und Abläufe festgelegt sind. Diese müssen eingehalten werden, damit das Vorgehensmodell auch funktioniert. Um das zu gewährleisten, müssen sie entsprechend kommuniziert und vereinbart werden.

Fazit

Das GRIP-Modell nach Beckhard verdeutlicht, dass ein erfolgreicher Projektverlauf nicht allein von Methoden oder Strukturen abhängt, sondern maßgeblich durch das Zusammenspiel von klaren Zielen, definierten Rollen, funktionierenden zwischenmenschlichen Beziehungen und abgestimmten Prozessen bestimmt wird. Insbesondere in agilen Projekten zeigen sich Selbstorganisation, Teamintelligenz und effektive Kommunikation als zentrale Erfolgsfaktoren. Der Projektmanager bzw. Scrum Master übernimmt dabei eine moderierende und rahmensetzende Rolle, während von den Teammitgliedern gleichzeitig erwartet wird, Verantwortung zu übernehmen und über individuelle Perspektiven hinaus gemeinsam zu handeln. Insgesamt bietet das GRIP-Modell eine praxisnahe Orientierung, um Teamarbeit gezielt zu entwickeln und die Leistungsfähigkeit von Projekten nachhaltig zu steigern.

 GRIP-Modell nach Beckhard - Ein Bild vom Autor
Autor: Dr. Roland Ottmann
Schlagworte: Projektmanagement, Teamentwicklung

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