IAPM International Association of Project Managers

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Dr. Hans Stromeyer im Interview

Dr. Hans Stromeyer im Interview 28.04.2014 - Michael Frahm, Leiter der gemeinnützigen Forschungsinitiative KBPM (www.k-bpm.de), bat Dr. Hans Stromeyer, Präsident der IAPM International Association of Project Managers, zum Interview. Michael Frahm hat über 10 Jahre Erfahrung als Bauprojektmanager gesammelt, 2010 erhielt er sogar den renommierten Projektmanagement-Award für seine Tätigkeit. Im Interview befragt er Dr. Hans Stromeyer zur Zertifizierung der IAPM, zu Unterschieden zu anderen Projektmanagement-Vereinen und zur Mission und Vision der IAPM in den nächsten Jahren.

Worin unterscheidet sich die IAPM im Wesentlichen von der GPM/IPMA bzw. der PMI?

Es gibt sehr viele Unterschiede, ich nenne einmal die wichtigsten:
 
  • Die IAPM ist der Verband für Projektmanager, während GPM, IPMA und PMI Projektmanagement-Verbände sind.
    Hierzu ein Beispiel: Wenn Sie den Mitgliedsbeitrag einer anderen Organisation zum Vergleich heranziehen, kommt die Höhe etwa dem Betrag gleich, den Sie benötigen, ein bereits vorhandenes (und vielleicht sogar verfallenes) Zertifikat bei der IAPM in ein lebenslang gültiges Zertifikat umzuwandeln. Dieses Zertifikat dient dann als Grundlage eventueller Höherzertifizierungen – oder dem Erwerb des Zertifikats zum Cert. International Project Manager (IAPM). Gleichzeitig haben Sie Zugang zu allen Veranstaltungen der IAPM weltweit.

  • Die IAPM hat die Mission, Projektmanagement-Erfahrung jedem Interessierten ohne weitere Voraussetzung zugänglich zu machen. Daher können etwa die Guides der IAPM kostenlos von der Webseite heruntergeladen werden. Die Veranstaltungen der IAPM-Netzwerke (organisiert von den Network Officials der Metropolregionen, siehe hierzu auch die Veranstaltungsankündigungen auf der Webseite der IAPM) stehen allen Zertifikanten offen, es fällt in manchen Fällen lediglich ein geringer Unkostenbeitrag an. Lassen Sie mich ein Beispiel nennen: In Zürich fand kürzlich eine Besichtigung des St. Gotthardtunnels statt. Wer wollte, konnte sich über Xing anmelden und eines der spannendsten Bauprojekte der Gegenwart während seiner Entstehung besichtigen. Das Fazit: Die IAPM steht allen offen.

  • Die Zertifikate der IAPM und die Prüfungen beruhen auf zwei Säulen - zum einen müssen die Werkzeuge des Projektmanagement beherrscht werden, zum anderen haben wir die Überzeugung, dass bei allen Vorgängen der Mensch im Vordergrund steht. Neben der Methodenkompetenz sind bei Projektmanagern vor allem auch Sozialkompetenz und Kommunikationsfähigkeit gefragt. Nicht umsonst heißt es in einem anerkannten Lehrbuch „Projektmanagement ist 90 % Kommunikation“. Daher steht der Manager als Persönlichkeit sowohl bei den Project Management Guides wie auch bei der Zertifikatsprüfung im Vordergrund. Und deshalb heißen wir ja auch „International Association of Project Managers”.

  • Die Prüfungen der IAPM werden online abgelegt, der Prüfling kann also den Ort und den Zeitpunkt seiner Prüfung selbst festlegen. Dieses Verfahren ist transparent und sehr fair. Jeder Zertifikant hat die Möglichkeit, seine Kenntnisse vorher beim Selbsttest zu überprüfen. Anschließend erhält er eine genaue Aufstellung, in welchen Themenkomplexen er noch Bedarf zur Nacharbeit hat, um die eigentliche Zertifizierungsprüfung bestehen zu können.

  • Die Zertifikate der IAPM haben kein Verfallsdatum. Wer sich einmal zertifiziert hat, muss sich also nicht re-zertifizieren lassen, wie das bei anderen PM-Organisationen der Fall ist.

  • Die Prüfungsgebühren bemessen sich weltweit am Bruttoinlandsprodukt des jeweiligen Landes. Damit ist gewährleistet, dass auch in ärmeren Ländern die Möglichkeit besteht, sich fortzubilden und die Fortbildung durch ein verfallsfreies Zertifikat zu dokumentieren.



Sind die zertifizierten PM die besseren PM?

Durch eine Zertifikatsprüfung wird – wie bei jedem anderen Examen auch – überprüft, ob theoretisches Wissen vorhanden ist, der Bewerber sich also eingehend mit einem Themenkomplex auseinandergesetzt hat. Insofern unterscheidet sich eine Zertifikatsprüfung auch nicht von anderen Prüfungen. Wer also ein Zertifikat hat, hält damit eine Urkunde in Händen, wie bei jedem anderen Abschluss auch. Damit setzt er ein Zeichen seines Interesses und weist erfolgreich sein Wissen zum Zeitpunkt der Prüfung nach. Nicht mehr – aber eben auch nicht weniger.

Der zweite Aspekt ist die Berufserfahrung, die jemand mitbringt. Ein Zertifikat per se macht einen also nicht zum besseren Projektmanager, man hat aber die besseren Startbedingungen in der Projektarbeit als jemand, der kein theoretisches Wissen hat. Schließlich ist ein Zertifikat im Lebenslauf unstreitig ein Alleinstellungsmerkmal. Es zeigt, dass der Bewerber bereit war, Zeit und Geld in seine fachliche Weiterentwicklung zu investieren.


Der PM Guide 2.0 ist mit 54 Seiten recht schlank, reicht das Studium dieser Unterlage als Basis der Zertifizierung?

Der PM Guide 2.0 ist nicht als Lehrbuch zu verstehen, sondern als Handlungsvorlage und Checkliste für verschiedene Stadien im Projekt, etwa, in welchem Stadium des Projekts welche Werkzeuge angewendet werden (Projektatlas). Es gibt Vorlagen und Templates, etwa wie eine Projektakte angelegt wird oder auch wie effektive Meetings oder Reviews durchgeführt werden können. Ich würde es so sagen – mit dem PM Guide 2.0 kann man bereits einen guten Teil der Fragen beantworten, jedoch keinesfalls alle. Wer sich gründlich vorbereiten will, kann dazu ein entsprechendes Lehrbuch zur Hand nehmen, wie etwa „Der nackte ProjektManager” von Roland Ottmann, den „ProjektManager“ von Ottmann/Schelle/Pfeiffer oder jedes andere Projektmanagement-Buch. Wir empfehlen aber grundsätzlich jedem Neuling im Projektmanagement eine gründliche Vorbereitung, z.B. durch den Besuch eines Seminars bei einem der IAPM-zertifizierten Trainer. Dort gibt es Gelegenheit, einige der Themen erheblich zu vertiefen und im Seminarkreis zu diskutieren.

Wenn sich ein erfahrener PM bei Ihnen zertifizieren lassen möchte, welche Vorgehensweise empfehlen Sie?
Der Cert. Senior Project Manager (IAPM) richtet sich an Projektmanager mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung, davon müssen drei Jahre in einer Führungsposition oder einer Position mit erheblichem Verantwortungsumfang nachgewiesen werden. Der „PM Guide 2.0“" bildet die Grundlage für die Wissensfragen. Prüfungsinhalte sind harte und weiche Faktoren im Projektmanagement.
Die Angaben zu Projekten des Antragstellers werden von der IAPM überprüft. Die einzelnen Schritte zum Zertifikat sind auf der Webseite der IAPM unter www.iapm.net/de/zertifizierung/zertifizierungsgrade/certified-senior-project-manager-iapm/ zu finden.

Auch hier unterscheidet sich die IAPM grundlegend von anderen Organisationen: Wer einmal sein Wissen zertifizieren ließ und sich nach einigen Jahren der Projektarbeit höher zertifizieren lassen möchte, muss den Test nicht wiederholen. Es genügt dann nur noch der Nachweis der Erfahrung!

Wie viele Zertifizierte PMs haben Sie, bzw. wie ist Ihre Entwicklung seit 2010?

Aufgrund eines Vorstandsbeschlusses können bedauerlicherweise zur absoluten Anzahl der Zertifikate derzeit keine Angaben gemacht werden. Was gesagt werden kann ist, dass mittlerweile in 31 Ländern Zertifikate abgelegt wurden. Im Übrigen ist die Entwicklung der IAPM rasant und erheblich schneller als wir ursprünglich gedacht hatten, was uns zeigt, dass wir mit dem Konzept auf dem richtigen Weg sind.

Was ist Ihre Mission und was Ihre Vision? Wo ist die IAPM in 10 Jahren?

Mission: Die IAPM sieht sich im Zentrum der Unterstützung des Projektmanagers in allen für ihn wichtigen Bereichen, sei es klassisch, agil oder international. Sie schärft durch ihre Öffentlichkeitsarbeit das Bewusstsein für den Projektmanager und seine teilweise unglaublichen Herausforderungen und tritt dafür ein, dass Interessierte zu ihrer Fachliteratur freien Zugang haben sollen. Aufgrund ihrer Unabhängigkeit von Dachverbänden kann sie flexibel und zeitnah auf alle neuen Strömungen reagieren.
Besonderes Gewicht wird, wie bereits erwähnt, auf den Menschen gelegt, der die Führungsaufgaben wahrnimmt und deshalb mit den notwendigen Kompetenzen ausgestattet werden muss. In ihren Kompetenzzentren fördert die IAPM den wissenschaftlichen Austausch sowie die Vernetzung der Projektmanager untereinander. Dies schließt Projektleiter ebenso ein wie Scrum Master oder Product Owner im agilen Umfeld sowie alle weiteren neuen Kompetenzen, die wir derzeit vielleicht noch nicht einmal kennen. Die IAPM ist Träger einer unabhängigen Zertifizierungsinstitution, die Fachwissen und Kompetenz der Zertifikatsanwärter durch ein umfassendes, faires und neutrales Prüfungssystem online bewertet. Das Zertifizierungssystem ist somit ganz speziell auf die herausfordernde Lebenswelt der jungen, innovativen und leistungsstarken Projektmanager des 21. Jahrhunderts zugeschnitten.


Vision in 10 Jahren: Im Jahr 2024 wird die IAPM ihr Kompetenznetzwerk in allen Metropolregionen der europäischen Union etabliert haben. Dazu kommen weitere Kompetenznetzwerke in Südostasien, Nordamerika, Südamerika und Afrika. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Weiterentwicklung der Network University in den meisten dieser Länder, um den wissenschaftlichen Austausch der nächsten Projektmanagergeneration weiter zu promoten.

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