IAPM International Association of Project Managers

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„Mit ausgeprägtem Wir-Gefühl schafft man nahezu alles“ – Project Manager of the Year Benjamin Hübler beantwortet uns 15 Fragen rund um das Thema Projektmanagement

„Mit ausgeprägtem Wir-Gefühl schafft man nahezu alles“ – Project Manager of the Year Benjamin Hübler beantwortet uns 15 Fragen rund um das Thema Projektmanagement 28.11.2016 - Benjamin Hübler begann seine berufliche Laufbahn im Projektmanagement 2010 in Berlin bei „familie redlich – Agentur für Marken und Kommunikation GmbH“. Zu seinen Kunden zählten diverse Bundesministerien für die verschiedene Kommunikationskampagnen sowie Veranstaltungen umgesetzt werden sollten. Von September 2011 bis März 2015 arbeitete er als Projektmanager für die arsmedium eins GmbH im Kontext von Markenkommunikation für Kunden aus der Banken- und Telekommunikationsbranche. Berufsbegleitend studierte Benjamin Hübler an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management, an der er 2014 seinen MBA erfolgreich ablegte. Seit April 2015 ist er als Business Engineer für die Consorsbank (BNP Paribas S.A. Niederlassung Deutschland) tätig, wo er u. a. das Projekt „Gold Online“, ein Projekt, in dem der Onlinehandel mit Gold realisiert wurde, leitete und mit seinem Team umsetzte. Im Dezember 2015 legte er seine Prüfung zum Certified Senior Project Manager (IAPM) bei der IAPM International Association of Project Managers ab.


Sie sind Project Manager of the Year 2016 – was können Sie anderen Projektmanagern/Projektmanagerinnen mit auf den Weg geben? Haben Sie drei Tipps für erfolgreiches Projektmanagement?

Ein starkes Team mit ausgeprägtem Wir-Gefühl schafft nahezu alles. Der Projektmanager/die Projektmanagerin muss sich für das Entstehen des Wir-Gefühls verantwortlich fühlen.
Ehrliche und transparente Kommunikation – ohne geht es nicht. Probleme, kritische Pfade und Risiken müssen vom Projektmanager/von der Projektmanagerin transparent aufgezeigt und angesprochen werden, um Lösungen gemeinsam zu finden.
Ein Projektmanager/eine Projektmanagerin kann nicht alles und weiß nicht alles; muss er/sie auch nicht. Er/sie muss sich das aber eingestehen können und nicht zögern, selbst um Hilfe bzw. Rat zu fragen.

Was würden Sie einem Berufsanfänger/einer Berufsanfängerin im Projektmanagement raten?

Man muss authentisch sein; nicht versuchen, zwanghaft beispielsweise eine Rolle als „überzogen strenger Projektmanager"/"strenge Projektmanagerin" zu spielen. Möglichst so sein, wie man selbst ist. Das schafft Vertrauen und Glaubwürdigkeit innerhalb des Projektteams und gegenüber den Kunden.

Wollten Sie schon immer Projektmanager werden? Wie kam es zu dieser Berufswahl?

Jein. Mich hat die „Welt der Kommunikationsagenturen" sehr interessiert. Und innerhalb dieser Branche wollte ich einen generalistischen Job ausüben, bei dem man möglichst viele Einblicke in unterschiedliche Bereiche gewinnt. Und daraus wurde meine berufliche Laufbahn im Projektmanagement.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf als Projektmanager besonders?

Die Abwechslung (jeder Tag ist anders), das Tempo und das Arbeiten im Team.

Was waren in Ihrer bisherigen Laufbahn als Projektmanager die schwierigsten Projektumstände und wie ist es Ihnen gelungen, diese Herausforderung zu meistern?

Folgende schwierigen Projektumstände sind immer richtig „mühsam“:

Teammitglieder werden aus einem bestehenden und gut funktionierenden Projektteam abgezogen. Wenn mir so etwas passiert, versuche ich, gleich in die argumentative Offensive zu gehen und um meine Leute zu kämpfen. Und falls es bessere Gegenargumente gibt, muss man personell schlichtweg umplanen.

Der Projekt-Scope ändert sich während der Umsetzungsphase, sodass man oftmals komplett neu abschätzen und planen muss. Das kommt hin und wieder mal vor. Falls es sich nicht wegargumentieren lässt: bittere Pille schlucken und weitermachen.

Als besonders aufregende Situation ist mir eine Veranstaltung in Erinnerung geblieben, die ich vor etwa sieben Jahren mit organisiert habe. Am Vortag des Events hatten wir die Information erhalten, dass die Location insolvent gegangen ist und demnach nicht als Austragungsort zur Verfügung steht. Die Folge: aufregende Stunden voller Recherchen, Telefonaten und Schweißausbrüchen – und zu guter Letzt dann doch noch eine gelungene Veranstaltung in neuer Umgebung und einem zufriedenen Kunden, der vom ganzen Trubel nichts mitbekommen hat.

Warum haben Sie eine Zertifizierung bei der IAPM durchgeführt, was hat Sie von der IAPM überzeugt?

Die Zertifizierung wurde direkt von meinem Arbeitgeber, der Consorsbank, organisiert. Dankenswerterweise wurde ich zur Zertifizierung bei der IAPM angemeldet. Die Inhalte, Dozenten und Betreuung - hier passt einfach alles!

Was gehört Ihrer Meinung nach zu den Hauptaufgaben eines Projektmanagers/einer Projektmanagerin?
  • Informieren (Kunden/Kundinnen, Teammitglieder, Dienstleister/innen etc.)
  • Verwalten (Ressourcen, Budget, Zeit)
  • Tracken und monitoren (Projektfortschritt/Milestones, Defects etc.)
  • Motivieren
  • Menschen miteinander verbinden
  • Krisen erkennen und managen
  • Vorbild und „Airbag“ für das Team sein

Welche Projektmanagement-Methoden und Tools haben für Sie besonders große Bedeutung?

Im klassischen Projektmanagement wende ich gerne die Methode des Projektstrukturplans an. Im agilen Bereich halte ich prozesstechnisch Scrum und Kanban als sehr gewinnbringend und motivierend für das Projektteam.
Bezüglich der Tools ist weniger manchmal mehr... gerne arbeite ich mit JIRA, Skype for Business und Mindmap-Tools, da diese auch in Wasserfall-Projekten agilen Charakter ermöglichen. Sie sind flexibel anwendbar und involvieren das gesamte Projektteam. Sprich, man kann damit arbeiten und sie dienen nicht nur zur Illustration.

Sie haben schon in verschiedensten Projekten gearbeitet. Haben Sie ein Projekt besonders gut in Erinnerung und wenn ja, warum?

Ja, das Projekt „Gold-Online" bei der Consorsbank. Das war ein Kraftakt hinsichtlich Umfang, engem Timing, Budget, Eindringtiefe in Fachbereiche, Legal-Themen, Third-Party-Management etc. Das hat das ganze Team super gemeistert.

Welche Eigenschaften sollte ein Projektmanager/eine Projektmanagerin haben, um sein/ihr Team gut führen zu können?

 Er/Sie sollte motivieren können.
 Er/Sie sollte keine Scheu haben, Konflikte innerhalb des Teams offen anzusprechen, um  gemeinsam zu einer Lösung zu kommen.
 Er/Sie sollte „gute Antennen" haben; sowohl innerhalb des Projektteams, als auch bezogen  auf den Projektfortschritt, um Risiken frühzeitig zu erkennen.
 Er/Sie muss in der Lage sein, deutlich zu kommunizieren, klare Anforderungen zu platzieren  und korrekt bzw. gut getimed „nachzufassen".
 Er/Sie sollte stets einen Plan-B in der Hinterhand haben.
 Er/Sie sollte sein/ihr Team auch „einfach mal machen lassen" und nicht den/die tägliche/n  Kontrolletti spielen.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Team? Sind Sie eher ein „Kumpeltyp“ oder halten Sie Distanz? Was ist Ihrer Meinung nach der richtige Weg zu einem guten Verhältnis?

Meiner Meinung nach ist der Mittelweg zwischen „Kumpeltyp“ und Distanz der richtige. Jedoch ist es sehr wichtig, dass auch persönliche Aspekte innerhalb des Projektteams nicht zu kurz kommen. Daher würde ich meine Arbeit schlichtweg als „kollegial“ bezeichnen.

Denken Sie, man muss zum Projektmanager/zur Projektmanagerin geboren sein oder könnte Ihrer Meinung nach jeder/jede, der/die das theoretische Rüstzeug erlernt, ein guter Projektmanager/eine gute Projektmanagerin werden?

Ich denke, dass gute Projektmanager/innen schon ein gewisser Schlag Mensch sind. Damit meine ich, dass man v.a. zu Stressresistenz und Motivationsfähigkeit schon irgendwie geboren sein muss.

Wie schalten Sie nach einem stressigen Tag ab? Was raten Sie Kollegen/Kolleginnen, die immer ausgebrannter werden und wie schützen Sie sich vor Überarbeitung? Wie schaffen Sie sich einen Ausgleich zu den Herausforderungen, denen Sie als Projektmanager ausgesetzt sind?

Meine eigene kleine Familie lässt mich abends abschalten und ist mein Ausgleich. Ansonsten rate ich: Wenn man sich ausgebrannt oder überarbeitet fühlt, muss man darüber sprechen (mit seinem Vorgesetzten/seiner Vorgesetzten, der Familie, guten Freunden/Freundinnen etc.) und v.a. ehrlich zu sich selbst sein, eigene Schwächen erkennen, akzeptieren und rechtzeitig einen Gang zurückschalten.

Haben Sie einen Tipp für ein Buch, das sich lohnt zum Thema Projektmanagement zu lesen?

Im Bereich Projektmanagement gibt es viele gute Handbücher, welche viele Methoden oder auch Tools präsentieren und Basiswissen vermitteln (bspw. „Projektmanagement: Leitfaden zum Management von Projekten, Projektportfolios und projektorientierten Unternehmen“ von Gerold Patzak). Hier sollte man sich 2-3 Basisbücher durchsehen und sich in "agiles Projektmanagement" allgemein sowie detaillierter in Scrum und Kanban vertiefen. Hier finde ich das Buch „Scrum: The Art of Doing Twice the Work in Half the Time“ von Jeff Sutherland und JJ Sutherland nicht schlecht. Auch schadet es nicht, sich theoretisches Wissen im Requirement Engineering oder auch im informellen Führen anzueignen. Des Weiteren möchte ich an dieser Stelle empfehlen, sich als Projektmanager/in auch thematisch bzw. inhaltlich fortzubilden. Denn als Projektmanager/in bist du oftmals nicht vom Fach deines Projekts – das musst du auch nicht zwingend sein – jedoch schadet es auf keinen Fall zu wissen und zu verstehen, worüber dein Team aus den diversen Fachbereichen spricht und was deren Arbeitsalltag bestimmt.

Welche Trends erwarten Sie in der Zukunft im Projektmanagement?

Ich gehe davon aus, dass sich Projektmanagement zukünftig innerhalb von Unternehmen noch intensiver mit anderen (Fach-)Bereichen vernetzen wird. Demnach werden immer mehr Angestellte Skills im Projektmanagement - v.a. im Nutzen diverser Tools wie JIRA - erwerben müssen, da sich der normale Arbeitsalltag immer mehr in einzelne kleine Projekte gliedert, für welche keine explizit benannten Projektmanager/innen abgestellt werden können. Dem entspricht auch der Trend, dass die Projektarbeit immer agiler wird und der Wasserfall des Wasserfall-Modells dadurch immer weiter austrocknet.

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