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Kein Job für Egomanen

Kein Job für Egomanen 29.06.2016 - IAPM-Netzwerktreffen University beleuchtet die Rolle von Projektmanagern
 
Beinahe jeder hat etwas damit zu tun, doch die Wenigsten haben eine Ahnung davon: Projektmanagement. Das Network University der International Association of Project Managers (IAPM) möchte dem entgegenwirken und angehende Berufseinsteiger auf die Aufgaben dieses Arbeitsfeldes vorbereiten. Beim ersten Netzwerktreffen IAPM University in der Metropolregion in den Räumen der Consors Bank beleuchteten langjährige Profis den Job des Projektmanagers.
 
Es dauert genauso lange, einen Kwoxx zusammenzusetzen wie einen Quax aus mehreren Kwoxx. Ist das wichtig? Etwa zehn Leute stehen vor ihrem Flipchart und grübeln. Eva Sadowicz von EinfachStimmig – Partner für menschengemäße Unternehmensentwicklung hat ihnen eine kryptische Aufgabe gegeben: jedem Besucher des Netzwerktreffens hat sie ein kleines Kärtchen in die Hand gedrückt, auf dem ähnlich verschlüsselte Informationen stehen. Aus diesem Puzzle sollen sich die Teilnehmer die Informationen heraussuchen, die sie zur Lösung der Aufgabe brauchen. „Lösbar ist sie auf jeden Fall“, sagt Eva Sadowicz, teilt die Teilnehmer in drei Gruppen auf und schickt jede in einen anderen Raum. Es dauert zwanzig Minuten, bis der erste Teilnehmer einer anderen Gruppe zurückkommt und sagt: „Ich glaube, wir müssen unsere Informationen zusammenlegen, um die Aufgabe zu lösen.“ Mit dieser Erkenntnis haben sie die erste Hürde genommen.

 
Viel Input, wenig Zeit

Im Plenum gleichen sie nun Hinweise ab, sortieren aus, diskutieren, rechnen, verwerfen Ideen, nehmen neue auf. Dabei läuft die Zeit, Eva Sadowicz weist auf die auslaufende Bearbeitungsdauer hin. Schließlich haben die Teilnehmer die Aufgabe gelöst. „Wir haben schon viel über Methodik gehört, aber im Stress geht immer wieder alles drunter und drüber“, sagt Florian Wasmeier, der gerade seinen Master in Management an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg macht. Seine Mitstreiter sehen das ähnlich. Sie hätten besser hinterfragen, die Aufgaben besser verteilen und einen Moderator benennen sollen: kritisch reflektieren sie mit der Referentin ihr Vorgehen. Dabei zeigen sie in der Praxis, was die IAPM und das Network University bereits erkannt haben. Johannes Scholz, Geographie-Student und Mitbegründer des Network University in der Metropolregion Nürnberg, beschreibt es so: „Beim Thema Projektmanagement und jungen Leuten haben wir einen Mangel gesehen – sie haben keinen oder kaum Zugang zu diesem Thema. Diese Lücke wollen wir füllen.“ Davon würden nicht nur die jungen Leute sondern auch Unternehmen profitieren, die auf der Suche nach guten Mitarbeitern sind, sagt Scholz.
 

Mit Haltung zum Erfolg

Roland Knorr von Vectis Consulting würde ihm vermutlich uneingeschränkt zustimmen. Er begreift die zunehmende Digitalisierung in allen Branchen als Chance, auch die Führungskultur zu ändern. „Das Zeitalter der Egomanen neigt sich dem Ende entgegen“, sagt er in seinem Vortrag und erklärt sogleich, warum: Ein Digital Leader brauche neben Mut und Zielstrebigkeit auch eine große Portion sozialer Kompetenz. Aufgabe des Chefs sei es zwar, das Ziel vorzugeben – nicht aber den Weg dorthin. Laut Knorr gelingt das, wenn er auf Augenhöhe vertrauensvoll mit seinen Mitarbeitern zusammenarbeitet, ihnen Verantwortung überträgt und die von ihm geforderten Werte und Tugenden selbst vorlebt. Die Haltung der Führungsperson sei ein entscheidender Faktor dafür, dass ein Projektvorhaben gelingt.
 

Wiederverwertbares Wissen

Die Realität sieht anders aus – zumindest in einigen relevanten Großprojekten in Deutschland. Dr. Roland Ottmann von der Ottmann und Partner GmbH zeigt das am Beispiel des Berliner Flughafens auf. Dort seien nicht nur eklatante Planungsfehler gemacht worden. Wichtige Führungspositionen seien fehlbesetzt und entscheidende Fragen schon im Vorfeld nicht geklärt worden. Für Ottmann besonders erschreckend: dieselben Fehler, die nun in Berlin gemacht würden, seien bereits in den achtziger Jahren beim dritten Londoner Flughafen Stansted passiert. „Das deutet darauf hin, dass wir nicht ein mal bei Großprojekten Erfahrungswissen sammeln. Das ist tragisch, denn es heißt am Ende: ein Projektmanager hat möglicherweise Wissen aufgebaut, es aber nicht reflektiert. Reflektieren heißt, Erfahrungswissen aufsetzen, verdichten, dokumentieren und es für zukünftige Themen greifbar machen.“ Bleibt das aus, sei alle Erfahrung für Folgeprojekte in keiner Weise verwertbar – jedes Projekt beginne unnötigerweise bei Null.
 
Zumindest die Teilnehmer des IAPM Netzwerktreffens University nehmen sich vor, es besser zu machen. „Ich mache gerade ein Praktikum im Projektmanagement eines Krankenhauses – da kann ich von heute Abend sicher einiges mitnehmen“, sagt die Studentin Patricia Cziela. Max Meidenbauer, Monteur und angehender Maschinenbautechniker, weiß schon genau, was er mitnehmen will: „Wenn ich das nächste Mal in einer Besprechung sitze weiß ich, dass ich Infos filtern und zu meiner Meinung stehen muss.“ Das dürfte die Referenten des Abends freuen. Botschaft angekommen.

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