Gedanken eines Projektmanagers zum Thema „Fokussierung auf die Mehrwertrealisierung in agilen Vorgehensmodellen“

Dieser Artikel spiegelt allein meine eigenen Ansichten wider.

Die Wirtschaftlichkeit von Projekten steht im direkten Zusammenhang zum erzielten Nutzen, welcher aus Dienstleistungen, Produkten oder den durchgeführten Aktivitäten entsteht, und die zur Problemlösung im Geschäftsleben beitragen.
Dieser Mehrwert bildet die eigentliche Grundlage, auf dem ein Projekt durchgeführt wird. Zum Beispiel ist die Automatisierung sich wiederholender manueller Tätigkeiten in einem Geschäftsprozess nicht das ultimative Ziel, bezogen auf den Nutzen. Stattdessen sind Effizienzsteigerung, Produktivitätsgewinne, Kosteneinsparungen, höhere Präzision gemeinsam mit Skalierungseffekten die geschäftstreibenden Faktoren für die Automatisierung eines manuellen Prozesses - und damit die Kriterien für den Projekterfolg.
Eine Glühbirne inmitten eines Prozesskreises.
Beim Agile Delivery Approach handelt es sich um ein Vorgehensmodell, welches auf Veränderungen ausgerichtet ist und bei dem die Anforderungen oder der Projektumfang nicht festgelegt sind. Die Kriterien für den Projekterfolg konzentrieren sich nicht auf den Umfang, das Budget und den Zeitplan, sondern auf die Erzielung von Vorteilen und deren Realisierung zusammen mit einer erhöhten Geschäftsflexibilität, einer verbesserten Markteinführungszeit und niedrigeren Gesamtbetriebskosten.

Es ist sehr wichtig den iterativen Prozess der Nutzenrealisierung mithilfe des PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Adjust) zu verstehen, um die Wertschöpfung aufrecht zu erhalten.
  • Die Plan-Phase hilft bei der Zieldefinition, um die erwarteten Vorteile in Übereinstimmung mit dem Kunden abzustimmen. Diese Vorteile erleichtern die Priorisierung und Finanzierung der ergebnis- und wirkungsorientierten Lieferungen in kürzeren Iterationen mit einer kontinuierlichen Feedback-Schleife.
  • Die Do-Phase hilft bei der Umsetzung des Plans zur Implementierung von managebaren Ergebnissen für die Realisierung des erwarteten Nutzens.
  • Die Check-Phase hilft bei der empirischen Auswertung von Daten und Ergebnissen, die in der vorherigen Phase gesammelt wurden. Diese Überprüfungsphase ermöglicht es, die erwarteten Ergebnisse mit den tatsächlichen zu vergleichen und mit Hilfe von verschiedenen Key Performance Indicators (KPIs) festzustellen, ob es Abweichungen vom Plan gibt.
  • In der Adjust-Phase werden die Prozesse durch Adaption, anhand von Ergebnissen aus der Überprüfungsphase verbessert. Der erwartete und realisierte Nutzen wird neu bewertet, die Ausgangsparameter werden angepasst und der Plan für den nächsten Zyklus wird überarbeitet. 
     
Dieser Ansatz hilft bei der Verbesserung der Ergebnisse in jedem Zyklus durch kontinuierliche Überprüfung und Anpassung. Durch Fokussierung auf den Mehrwehrt für Unternehmen können diese Vorteile in der Wertschöpfungskette genutzt werden. Ein gängiges Beispiel für die Bewertung der finanziellen Leistungsfähigkeit eines Unternehmens ist „EBITDA“ (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände), dieser gilt als zuverlässiger Indikator für die betriebliche Effizienz und finanzielle Stabilität eines Unternehmens. Ein weiteres Beispiel was als Indikator der finanziellen Stabilität eines Unternehmens dient ist das Betriebskapital. Er wirkt sich auf den Unternehmenswert aus, da Veränderungen im Betriebskapital den Finanzfluss und die Bewertung eines Unternehmens beeinflussen.
 
In einem agilen Vorgehensmodell ist die Mehrwertrealisierung besonders relevant, da die zu liefernden Funktionen im Product Backlog auf der Grundlage des Geschäftswerts priorisiert werden. Im agilen Umfeld werden die Geschäftsvorteile schneller realisiert, da es die folgenden wichtigen Aspekte mit einbezieht:
 
  • Minimum Viable Product (MVP) - Dies ermöglicht eine schnelle Rückmeldung über den minimal zu liefernden Funktionsumfang in Verbindung mit dem geringsten Lernaufwand, um eine Hypothese zu testen. Es hilft dabei, die Entwicklung der übrigen Funktionen entsprechend anzupassen. Des Weiteren hilft es jene Arbeiten einzustellen, welche den geringsten Mehrwert für den Kunden mit sich bringen und stattdessen zuerst den Fokus auf die Implementierung hochwertiger Funktionen zu legen.
  • Minimum Marketable Feature (MMF) - Dies bietet dem Kunden einen Mehrwert, indem voll funktionsfähige Produktbestandteile zügig auf den Markt gebracht werden. Es steht in direktem Zusammenhang mit Umsatz und Rentabilität. Es kann zudem dazu beitragen, den Marktanteil, den Geschäftswert oder die Wettbewerbsdifferenzierung zu erhöhen. Geldmarktfonds helfen auch bei der besseren Planung von Produktversionen, da sie sich auf die Wertschöpfung für den Kunden konzentrieren.
  • Minimum Marketable Release (MMR) - Es handelt sich um die Summe aller MMFs, die als Teil der zu erwartenden Funktionen geliefert werden und welche in den Mindestversionen entwickelt wurden, so dass der Kunde einen Mehrwert aus deren Markteinführung erzielen kann.
  • Minimum Marketable Product (MMP) - Das ist das erste MMR, das zur Verkürzung der anfänglichen Markteinführungszeit verwendet wird.

Zusammenfassung

Ich bin der Meinung, dass Mehrwertrealisierung ein sehr wichtiges Attribut zur empirischen Bewertung von Leistung in einem komplexen und volatilen Umfeld ist, was letztlich die geschäftliche Agilität auf Grundlage von Markttrends, einer adaptiven Denkweise und mithilfe der Implementierung von Veränderungen gewährleistet und schließlich die datengesteuerte Entscheidungsfindung ermöglicht.
Sowohl die sequentielle als auch die iterative Durchführung von Projekten wird sich zukünftig auf die Mehrwertrealisierung konzentrieren müssen und nicht nur auf Funktionen beruhen, welche auf Grundlage von Akzeptanzkriterien oder der „Definition of Done“ geplant wurden, um letzten Endes einen tatsächlichen Mehrwert zu bieten.
Über den Autor: Gaurav Dhooper ist unser Senior Official der Metropolregion Noida, Indien. Gaurav ist ein strategischer Denker, ein professioneller Agilist und IT Delivery Leader, ein Autor und ein Redner. Gaurav schreibt Artikel über Digitale Transformation, Agile Transformation, Agiles Projektmanagement und Scrum. Des Weiteren ist er Verfasser von Artikel über robotische Prozessautomatisierung, künstliche Intelligenz, Machine Learning und persönliche Agilität in führenden Online-Publikationen. Gaurav war Gutachter für den PMI-Standard für Earned Value Management und für ein Buch über agile Verträge.  Außerdem ist er Webinar- und Hauptredner bei verschiedenen globalen Konferenzen und Mitglied des Prüfungsausschusses bei den PMO Global Awards 2020. Gaurav ist ehrenamtlich als Globaler Direktor für digitale Medien bei PMO Global Alliance tätig

Schlagworte: Agiles Projektmanagement, Mehrwertrealisierung, Wertschöpfung, Tipps

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