Strategie und Taktik: Warum der Unterschied entscheidend ist

Für große Ziele braucht man mehr als nur gute Vorsätze – nämlich einen Plan. Doch während viele einfach loslegen, lohnt es sich, zwei zentrale Begriffe zu unterscheiden: Strategie und Taktik. Beide werden häufig synonym verwendet, haben jedoch unterschiedliche Bedeutungen. Während die Strategie die Richtung vorgibt, sorgen taktische Maßnahmen dafür, dass Sie tatsächlich vorankommen. Wie das genau funktioniert und warum beide untrennbar miteinander verbunden sind, wird im Folgenden erläutert.
Hand bewegt eine schwarze Schachfigur auf einem hexagonalen Spielfeld mit mehreren schwarzen Bauern.

Inhalt

Strategie: Der Kompass für langfristigen Erfolg

Eine Strategie ist ein langfristiger Plan zur Erreichung der übergeordneten Unternehmensziele. Sie gibt dauerhafte Orientierung, bildet die Grundlage für wichtige Entscheidungen und sorgt dafür, dass alle im Team an einem Strang ziehen. Daher ist eine Strategie in der Regel dauerhaft und nur schwer zu ändern. Gleichzeitig muss sie flexibel genug sein, um auf Veränderungen, wie neue Wettbewerber, wirtschaftliche Krisen oder unerwartete Marktchancen, zu reagieren. 

Damit die Strategie funktioniert, muss sie SMART formuliert sein. Nur so vermeidet man Missverständnisse und stellt sicher, dass alle Mitarbeitenden wissen, worauf es ankommt. Zudem braucht es die richtigen Ressourcen, damit die Strategie wirtschaftlich und effektiv umgesetzt werden kann. Ob die Strategie wirkt, zeigt sich an Fakten wie den KPIs (Key Performance Indicators), welche Fortschritte sichtbar machen und helfen, frühzeitig nachzusteuern, falls etwas nicht wie geplant läuft.

Eine durchdachte Strategie kann somit an den entscheidenden Stellen ansetzen:
 
  • Ressourcenfokus: Wo lohnt es sich zu investieren und wo nicht?
  • Marktpositionierung: Wie hebt sich das Produkt oder die Dienstleistung von der Konkurrenz ab? (z. B. durch Preis, Innovation oder einzigartige Features)
  • Wettbewerbsvorteile: Was macht das Angebot unverwechselbar?
  • Zielgruppen: Wer sind die Kunden und was brauchen sie wirklich? (Hier helfen Marktforschung, Trends und Personas, um die Zielgruppe genau zu verstehen.)
Jede Strategie sollte zur Vision des Unternehmens passen. Was nicht dazu beiträgt, die langfristigen Ziele zu erreichen, gehört auf den Prüfstand – oder wird gestrichen. Denn am Ende geht es darum, nicht nur zu arbeiten, sondern das Richtige zu tun.

All dies soll am Beispiel für folgendes Projekt vorgestellt werden: Einführung einer neuen digitalen Kundenplattform

Bis zum 30. Juni 2026 soll die Kundenzufriedenheit der digitalen Plattform von aktuell 65 % auf 85 % gesteigert werden. Dazu soll auf eine nutzerfreundliche Oberfläche, die Integration eines KI-basierten Chatbots für schnelle Supportanfragen sowie eine Reduzierung der Ladezeiten um 40 % gesetzt werden. Das Projektbudget beträgt 250.000 Euro, das Kernteam besteht aus fünf Entwicklern, zwei UX-Designern und einem Projektmanager. Jeder Meilenstein wird alle drei Monate überprüft, um bei Abweichungen frühzeitig gegenzusteuern.
 
Warum ist das SMART?
 
  • Spezifisch: Klare Fokuspunkte (Nutzerfreundlichkeit, KI-Chatbot, Ladezeiten)
  • Messbar: Kundenzufriedenheit (85 %), Ladezeiten (40 % schneller), Budget (250.000 €)
  • Attraktiv: Es steigert die Wettbewerbsfähigkeit und passt zur Unternehmensvision
  • Realistisch: Realistische Ziele mit definierten Ressourcen
  • Terminiert: Es gibt eine Deadline (30. Juni 2026) und Meilenstein-Checks alle drei Monate
Zudem ist die Strategie flexibel genug, um bei neuen Technologien oder Marktveränderungen angepasst zu werden, beispielsweise wenn sich zeigt, dass Kunden eine App einer Webplattform vorziehen.

Taktik: Die konkreten Schritte zum Erfolg

Eine Strategie gibt die Richtung vor, doch ohne die richtigen Taktiken bleibt sie reine Theorie. Taktiken sind die konkreten Schritte und Maßnahmen, die sicherstellen, dass aus Plänen Ergebnisse werden. Sie sind kurzfristig ausgelegt, flexibel und lassen sich schnell anpassen, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Während die Strategie langfristig orientiert ist, sorgt die Taktik dafür, dass Ressourcen effizient genutzt, Deadlines eingehalten und das Team zielgerichtet handelt.

Der Schlüssel liegt in der Planung: Welche Schritte sind nötig, um die strategischen Ziele zu erreichen? Hier ist es entscheidend, die Mitarbeitenden einzubinden, denn wenn sie den Sinn hinter den Maßnahmen verstehen, arbeiten sie motivierter und engagierter. Im nächsten Schritt werden die Taktiken aktiv ausgeführt, sei es durch Kampagnen, Prozessoptimierungen oder den Einsatz neuer Tools. Doch damit nicht genug: Regelmäßige Überwachung ist essenziell. Nur so lässt sich prüfen, ob die gewählten Taktiken noch angemessen sind, beispielsweise anhand der Einhaltung von Deadlines, der Aktualität der Maßnahmen oder ihrer Übereinstimmung mit der übergeordneten Strategie. Taktiken operieren dabei in einem Zeithorizont von Wochen bis Monate.

Für das oben genannte strategische Beispiel können folgende, passende Taktiken formuliert werden:
 
  • Nutzerfreundlichkeit verbessern: Monatliche Usability-Tests mit echten Kunden durchführen und das Feedback direkt in die Entwicklung einfließen lassen. Falls Tests zeigen, dass eine bestimmte Funktion nicht ankommt, wird sie schnell angepasst oder ersetzt.
  • KI-Chatbot einführen: Pilotphase mit einem Chatbot auf der Plattform starten, der häufige Supportanfragen automatisiert beantwortet. Nach drei Monaten wird evaluiert, ob der Chatbot die Kundenzufriedenheit erhöht. Falls nicht, wird die Technologie oder der Einsatzbereich geändert.
  • Ladezeiten optimieren: Zusammenarbeit mit einem externen Performance-Experten, um die Ladezeiten schrittweise zu reduzieren. Wöchentliche Messungen der Ladezeiten, um Fortschritte zu erfassen und bei Stagnation nachzujustieren.
  • Mitarbeiter einbinden: Regelmäßige Teammeetings, in denen der Stand der Dinge besprochen wird, sodass jeder auf dem Laufenden bleibt und Ideen einbringen kann.
Die Taktiken setzen die Strategie direkt um, ohne sie in Stein zu meißeln. Gleichzeitig sorgen sie dafür, dass das Team fokussiert bleibt und die Strategie nicht nur auf dem Papier existiert, sondern auch im Alltag gelebt wird. So wird aus einem großen Ziel ein greifbarer Erfolg.

Strategie vs. Taktik: Zwei Seiten einer Medaille

Die Strategie beantwortet die Frage: „Wohin wollen wir?“ Die Taktik hingegen klärt die Frage: „Wie kommen wir dorthin?“ und beschreibt das konkrete Handeln. Dabei ist die Taktik oft greifbarer, da sie aus konkreten Maßnahmen wie Kampagnen, Prozessen oder Tools besteht. Doch ohne die Strategie als Kompass fehlt der Sinn: Taktiken würden planlos im Raum stehen. Umgekehrt bleibt eine Strategie ohne Taktik bloße Theorie, ein Ziel, das nie erreicht wird.

Eine klare Strategie entwickelt man Schritt für Schritt.

1. Ziel definieren: Wo sieht sich das Unternehmen in der Zukunft? Was ist der langfristige Zweck – etwa Marktführer zu werden, die Kundenzufriedenheit zu steigern oder ein innovatives Produkt zu etablieren?

2. Markt und Wettbewerb analysieren:
 
  • Wie sieht der Markt aus? Welche Trends gibt es?
  • Wie positionieren sich die Konkurrenten und wo liegen ihre Stärken und Schwächen?
  • Was sind die eigenen Stärken und welche Chancen und Risiken gibt es? (z. B. durch eine SWOT-Analyse)
3. Schwerpunkte setzen: Auf Basis der Analyse entscheidet man, worin man sich von anderen abhebt – sei es durch Preis, Qualität, Innovation oder Service.

4. Strategie in Taktiken übersetzen:
 
  • Aufgaben verteilen: Wer macht was?
  • Ressourcen zuweisen: Budget, Personal, Zeit.
  • Fristen setzen: Bis wann müssen Meilensteine erreicht sein?
5. Fortschritt überwachen und anpassen: Werden die Aufgaben erledigt? Ist der Weg effektiv, oder muss nachgesteuert werden? Wenn nötig müssen die Taktiken angepasst werden (z. B. andere Marketingkanäle nutzen oder Prozesse optimieren).

Der Vollständigkeit halber soll hier auch nochmal der Zusammenhang zur Vision angesprochen werden:
 
  • Vision (das große Warum): Wir wollen der innovativste Anbieter in unserer Branche sein.
  • Strategie (der Weg dorthin): Dafür entwickeln wir bis 2026 eine KI-gestützte Plattform, die unsere Kunden begeistert.
  • Taktik (die konkreten Schritte): Ab nächste Woche starten wir mit Usability-Tests, im März geht der KI-Chatbot live und bis Juni reduzieren wir die Ladezeiten.

Fazit

Jedes große Ziel braucht einen Plan und viele kleine Schritte. Während manche einfach loslegen, lohnt es sich, zwischen Strategie und Taktik zu unterscheiden. Strategie und Taktik schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich. Die Strategie gibt die Richtung vor, die Taktik sorgt für die Umsetzung. Während die Strategie langfristig ausgelegt ist und nur schwer geändert werden kann, bleibt die Taktik flexibel – denn manchmal führt nicht jeder geplante Weg zum Ziel. Wer beides klug kombiniert, handelt mit Weitsicht und Erfolg.

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Autor: IAPM intern
Schlagworte: Projektmanagement, Strategie, Taktik

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