Lernen, Nein zu sagen

Lernen, Nein zu sagen 25.10.2017 - Das Projektmanagement ist eine Branche, die hart umkämpft ist, in der viele mit drohendem Burnout kämpfen und in der man leicht im Arbeitsalltag den Überblick verlieren kann. Projektmanager müssen ein wenig härter im Nehmen sein als viele Menschen in anderen Berufen, um souverän Projekte zum Erfolg zu führen. Dazu gehört vor allem die Fähigkeit, sich voll und ganz auf die Belange des Projekts zu konzentrieren und sich von nichts ablenken zu lassen. Als Projektmanager muss man also auch in der Lage sein, Nein zu sagen, Gefallen auszuschlagen und Vorschläge, die dem Projekt nicht gut tun, schlichtweg abzulehnen. Diese Aufgabe fällt vielen Menschen jedoch schwer – im Projektmanagement sowie im Privatleben.


Selbstbewusst Nein sagen

Die meisten Menschen wurden dazu erzogen, ein schlechtes Gefühl zu entwickeln, wenn sie jemandem Grenzen setzen und ihm etwas ausschlagen. Vor allem im beruflichen Umfeld ist dies jedoch Teil des Jobs. Im Projektmanagement müssen klare Grenzen gesetzt werden. Der Projektmanager muss lernen, stark und selbstbewusst aufzutreten, um allen Projektbeteiligten klar zu verstehen zu geben, was sinnvoll und akzeptabel ist und was nicht. Auch wer nicht gleich der Projektleiter ist, sondern eine andere Aufgabe im Projektmanagement übernimmt, muss lernen Nein zu sagen, um sich auf die wichtigen Aufgaben konzentrieren zu können. Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft sind wunderbare Eigenschaften, aber niemand sollte sich ausnutzen lassen. Wer immer nur freundlich nickt und alle Arbeiten übernimmt, den nehmen die Mitarbeiter irgendwann nicht mehr ernst. Teamwork bedeutet nicht, die Arbeit anderer zu übernehmen und alles durchgehen zu lassen. 


Schrittweise zum Nein sagen

Es ist möglich, das Nein sagen zu trainieren, Gewohnheiten abzulegen, selbstbewusst aufzutreten und kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man nicht zum Gefallen eines jeden einzelnen handelt.
 
Vier Schritte führen zu einem selbstbewussteren Auftreten und zu der Fähigkeit, unpassende und unangemessene Bitten und Forderungen abzulehnen. Schritt eins besteht darin, die Situation richtig einzuschätzen und diejenigen zu identifizieren, die immer wieder mit einer Bitte um Fristverlängerung, mit einer haarsträubenden Ausrede oder einer Forderung nach Entlastung ankommen. Der Projektmanager muss lernen, zwischen einem Notfall und einer Notlüge zu unterscheiden. Dazu reicht es meist schon aus, den Projektverlauf rückblickend zu betrachten und so Regelmäßigkeiten aufzudecken. 


Professionell managen und Situationen einschätzen

Eine in manchen Situationen hilfreiche Technik ist es, sich unverbindlich zu äußern, weder Ja noch Nein zu sagen und auf Zeit zu spielen. Sätze wie "Ich weiß noch nicht, ob das möglich sein wird" oder "Wir müssen prüfen, ob es eine Möglichkeit gibt" verdeutlichen dem Gegenüber, dass die Bitte oder Forderung aktuell nicht auf bedingungslose Zustimmung stößt und so blickt es sich vielleicht nach einer Alternativlösung um. Wenn man als Projektmanager jedoch keine Zeit hat, nur „Vielleicht“ zu sagen und so andere Entscheidungen aufzuschieben, muss man sich ernsthaft mit dem „Nein“ auseinandersetzen. Sagen Sie sich immer wieder, dass es nicht klug ist, immer Ja zu sagen. Rufen Sie sich mehrfach am Tag in Erinnerung, dass Sie eine wichtige Verantwortung für das Projekt tragen und dass Sie es sich nicht erlauben können, Freundlichkeit mit der Unfähigkeit, Nein zu sagen oder bestimmt aufzutreten, zu verwechseln, vor allem nicht dann, wenn das Projekt gefährdet wird, weil jemand keine Lust zu Arbeiten hat, Versprechen nicht hält oder unehrlich ist. Es ist keine Schande und erst recht kein Grund, sich schlecht zu fühlen, wenn Sie Ihre Arbeit als Projektmanager gewissenhaft machen. Und dazu gehört nun einmal, im richtigen Moment klare Kante zu zeigen. 


Schuldgefühle beiseitelegen

Selbstverständlich will jeder auch auf der Arbeit gemocht und geschätzt werden. Gerade im Projektmanagement ist man aber oft nicht in der Lage, es allen recht zu machen. Machen Sie sich klar, dass Schuldgefühle kontraproduktiv sind. Ihre Kollegen und andere Projektbeteiligte werden Sie viel eher schätzen und respektieren, wenn Sie Ihren Job ernst nehmen, neutral und fachkundig urteilen und alle Entscheidungen klar und deutlich im Sinne des Projekts treffen. Erklären Sie Ihre Entscheidungen und erläutern Sie, warum Sie Ja oder Nein zu einer Frage oder Bitte sagen. Auch wenn Ihr Gegenüber nun verärgert ist, wird derjenige doch verstehen, dass es sich nicht um eine persönliche Ablehnung handelt. Verhalten Sie sich immer konsequent und transparent. Wählen Sie Ihre Worte bewusst und bleiben Sie professionell. Wenn Ihre Mitarbeiter von Anfang an merken, dass Sie Ihre Entscheidungen immer auf der Basis von Fakten treffen und durchaus in der Lage sind, Nein zu sagen, wenn es dem Projekt dient, wird bald niemand mehr mit unangemessenen Forderungen auf Sie zukommen. Diese und andere Techniken sollten Sie dringend erlernen, wenn Sie bemerken, dass Sie Probleme mit dem „Nein-Sagen“ haben.

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