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Homeoffice für immer?

Die Corona Krise hat uns Einiges gelehrt. Die Bedingungen in der Fleischindustrie sind in Teilen miserabel – was man zugegebenermaßen auch ohne Corona hätte sehen können, wenn man nur mal einen kurzen Blick darauf geworfen hätte. Wir haben herausgefunden, dass die Menschen, die in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Supermärkten arbeiten, systemrelevante Jobs für die gesamte Gesellschaft haben. Auch das war im Grunde keine Überraschung. Wieder andere haben realisiert, dass ihr Job gar nicht so lebenswichtig ist, wie sie vielleicht dachten, und dass es viele verschiedene Arten gibt, Aufgaben zu erledigen – und das Ergebnis trotzdem gut sein kann. Homeoffice ist seit Corona endlich auch in Deutschland in aller Munde und die Tatsache, dass so viele Firmen plötzlich doch in der Lage waren, während des ersten Lockdowns auf Homeoffice zu setzen, hat sicherlich dazu beigetragen, dass Deutschland vor allem in der heißen Phase im April und Mai 2020 vergleichsweise gut durch die Krise gekommen ist.
Home Office überall da, wo es ging, war im ersten Lockdown, eine erfolgreiche Maßnahme. Jetzt, im zweiten Lockdown, sind wieder mehr Menschen in den Büros.
Home Office überall da, wo es ging, war im ersten Lockdown, eine erfolgreiche Maßnahme. Jetzt, im zweiten Lockdown, sind wieder mehr Menschen in den Büros.
Seit dem Sommer letzten Jahres sind die Unternehmen wieder dabei, ihre Mitarbeiter zurück in die Büros zu ordern. Eigentlich dachte man, wenn die zweite Welle kommt, ist es im Handumdrehen wieder möglich, alle zurück ins Homeoffice zu schicken. Sicherlich war die erste Welle auch für alle nicht systemrelevanten Berufe eine absolute Herausforderung. Jedoch hat sich gezeigt, dass es sehr gut möglich auch im Homeoffice zu arbeiten. Nun haben wir die zweite Welle und es passiert – erstaunlich wenig. Viele Menschen würden gerne wieder von zu Hause arbeiten, dürfen jedoch nicht. Die Apelle der Politiker, Wissenschaftler und Belegschaft werden zunehmend ernster und lauter. Homeoffice könnte das Infektionsgeschehen weiter entspannen.

VPN und Vertrauen

Vor welchen Herausforderungen standen die Unternehmen in der ersten Welle? Die Infrastruktur musste, soweit nicht vorhanden, innerhalb kürzester Zeit auf Coronatauglichkeit geprüft und dann auf Remote umgestellt werden. Das ist erstaunlich gut gelungen, wenn man sich in der Wirtschaftswelt umhört. Natürlich waren die ersten Wochen ein wenig holprig, aber irgendwann hatte auch der letzte Videokonferenz-Teilnehmer herausgefunden, wie er das Mikrofon ein und ausschalten kann. Die IT-ler waren mehr denn je gefordert, um auch dem letzten Verweigerer eine Webcam einzurichten. Während die einzelnen Mitarbeiter mit VPN-Verbindungen, Stummschaltung und der Funktion „Bildschirm teilen“ gekämpft haben, mussten die Führungskräfte sich einer zusätzlichen Herausforderung stellen: Vertrauen. Niemand ist im Büro und irgendwie wird die Arbeit trotzdem erledigt. Das ist beruhigend. Aber macht Herr Schmidt nicht gerade zu viele Raucherpausen und verschläft Frau Müller vielleicht jetzt jeden Morgen? Eine gute Führungskraft konnte die Coronakrise dazu nutzen, ihre Fähigkeit, ihren Mitarbeitern zu vertrauen, auszubauen. Dabei hilft es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Erledigen meine Leute ihren Job zuverlässig und zeitgerecht?

Was kommt danach?

Homeoffice war in unheimlich vielen Unternehmen eine Herausforderung aber auch ein Riesenerfolg. Aber was bedeutet das für die Zeit nach der Krise, die ja hoffentlich irgendwann kommt. Zahlreiche Unternehmen denken darüber nach, Homeoffice als Daueroption einzurichten. Twitter war zum Beispiel eines der ersten Unternehmen, das öffentlich verkündete, dass das Recht von zu Hause aus zu arbeiten fortan allen Mitarbeitern gewährt werden soll. Dauerhaft. Einige weitere Unternehmen folgten dem Beispiel. Ein riesiger Schritt in Richtung Zukunft und in Richtung neuer moderner Arbeitsbedingungen. Viele deutsche Unternehmen haben zumindest darüber nachgedacht, ähnliche Schritte, wenn auch nicht ganz so drastisch, einzuleiten.

Homeoffice als Zukunft aller Firmen?

Mehr als 40% aller Deutschen könnten zu 90% von zu Hause aus arbeiten. Weniger Kontrolle über die Mitarbeiter ist in den Augen mancher Chefs vielleicht ein Nachteil, aber die Vorteile überwiegen unbestritten. Stellen Sie es sich bildlich vor: Firmen könnten einen Großteil ihrer Bürofläche einsparen. Mitarbeiter sind flexibler und ausgeruhter, weil ihnen der Weg zur und von der Arbeit erspart bleibt. Das wiederum führt dazu, dass die Mitarbeiter zufriedener sind, weil sie Arbeit und Familie deutlich besser unter einen Hut bringen können. Zufriedenere und ausgeruhte Mitarbeiter sind bessere Mitarbeiter. Verschiedene Befragungen haben ergeben, dass etwa die Hälfte der Deutschen durchaus kein Problem damit hätte, in Vollzeit von zu Hause aus zu arbeiten. Wird das also nachhaltig und langfristig zu einer Änderung der Arbeitskultur in Deutschland führen? In einigen Unternehmen mit Sicherheit. In anderen wahrscheinlich nicht, nicht wie man jetzt, in der zweiten Welle, sehen kann. Wird das Recht auf Homeoffice vielleicht sogar im Gesetz verankert? Wer weiß. Fest steht, dass es aktuell in vielen Unternehmen sehr gut klappt, dass Personalabteilungen, IT-ler und Bürokräfte von der Präsenzpflicht im Unternehmen gelöst werden können. Tausende Meetings werden täglich über Webex, Teams, Teamviewer oder Zoom gehalten. Selbst Schulungen und Vorstellungsgespräche finden online statt und ganz nebenbei werden Millionen an Reisekosten eingespart. Weniger Geschäftsreisen sind sicherlich ein Punkt, der uns erhalten bleiben wird, denn Einsparungen hier sind nicht nur gut für die Firmenkasse, sondern natürlich auch für die Umwelt.

Größer denken

Die Digitalisierung, in der Deutschland in den letzten Jahren hinter vielen anderen Ländern deutlich zurückblieb, hat dank Corona einen enormen Schub bekommen. Es ist ja oft so, dass der Mensch erst in der Not erfinderisch wird. Corona hat uns alle vor teilweise enorme Herausforderungen gestellt, aber viele Firmen sind über sich hinausgewachsen und haben innerhalb von Tagen geschafft, was lange Programme zum Thema Digitalisierung über Jahre hinweg nicht geschafft haben. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse werden uns allen weiterhelfen. Sogar die Event-Branche hat in Teilen neue Konzepte entwickeln können: Messen, Produktvorführungen, Launch-Shows und anderes finden online statt. Wenn es so weiter geht vielleicht bald auch Podiumsdiskussionen, Theateraufführungen und Lesungen? Natürlich ersetzt in diesen Bereichen nichts das reale, echte Miteinander, das Erleben vor Ort. Doch in der Zwischenzeit, kann es vielleicht einige Selbstständige und Kleinunternehmer über Wasser halten. Wir haben aktuell leider keine Wahl, denn Corona zwingt uns auch weiter zu Kreativität und wird dies wohl auch noch eine Weile lang tun. Nutzen wir also die Chance und versuchen aus der Katastrophe zumindest im Bereich Homeoffice und Digitalisierung einige Lehren zu ziehen, die Deutschland auf Dauer auch einen Wettbewerbsvorteil verschaffen können.
Autor: IAPM intern

Schlagworte: Homeoffice, Projektmanagement, Krisenmanagement, Wirtschaft
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