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Interkulturelle Kompetenz in internationalen Projekten

Interkulturelle Kompetenz in internationalen Projekten 26.07.2018 - In deutschen Führungsebenen und im Projektmanagement wird interkulturelle Kompetenz gefordert – wie man in vielen Stellenanzeigen lesen kann. Aber was bedeutet dieser Begriff eigentlich und wie kann interkulturelle Kompetenz erlangt und verbessert werden? Das Konzept der interkulturellen Kompetenz bedeutet viel mehr als nur Sprachfähigkeiten, es beinhaltet das Verständnis für fremde Kulturen, die Fähigkeit, mit Geschäftspartnern aus der ganzen Welt zu kommunizieren und gut zurecht zu kommen und noch einiges mehr, was interkulturelle Kompetenz unheimlich schwer messbar und definierbar macht. 


Interkulturelle Kompetenz für Führungskräfte

Wer sich in aufstrebenden Unternehmen und im Projektmanagement in Führungsebenen positionieren will, braucht interkulturelle Kompetenz. Auslandsaufenthalte im Lebenslauf sind geradezu ein Muss geworden in einer Welt, die immer enger zusammenrückt und in der kaum noch ein großes Unternehmen nur auf nationaler Ebene arbeitet. Projektmanager in allen Branchen müssen zunehmend mit Lieferanten, Experten, Partnern und Kunden zusammenarbeiten, die von verschiedenen Kontinenten stammen aber gemeinsam an einem Projekt arbeiten. Dank der modernen Kommunikationstechnologie ist dies längst gängige Praxis geworden. Internationale Projektteams sind also eher die Regel als die Ausnahme, was für Projektmanager bedeutet, dass sie sich auf das geänderte Umfeld einstimmen müssen. Neben dem fachlichen Know-how werden Sprachen und Kommunikationsfähigkeiten immer wichtiger. Um mit Partnern aus fremden Kulturen effizient zusammenzuarbeiten ist die Sprache selbstverständlich enorm wichtig, Sprachkenntnisse alleine aber reichen nicht aus. Kulturelle Unterschiede können selbst bei perfekten Sprachskills zu Missverständnissen führen. Werte und Normen können unterschiedlich gelagert sein, Umgangsformen unterscheiden sich und je nach Gesprächspartner und dessen Background (Geschlecht, Alter, sozialer bzw. gesellschaftlicher Stand) muss sich möglicherweise unterschiedlich verhalten werden. Um das Verhalten von internationalen Partnern richtig zu deuten und Konflikte schnell zu erkennen, ist interkulturelle Kompetenz gefragt. Aber wie kann man sie erlernen?


Die Unterschiede erkennen und managen

Es gibt vier Phasen in interkulturellen Begegnungen. Die erste wird als Honeymoon bezeichnet. Alles ist neu und man ist von der jeweils anderen fremden Kultur begeistert oder zumindest aufgeschlossen und interessiert. Es folgt die Phase der Crisis, wenn allen Beteiligten bewusst wird, wie groß die Unterschiede tatsächlich sind und wenn die Partner beginnen zu begreifen, dass sie einander oft nicht verstehen. Viele Menschen fühlen sich in ihrem Vertrauen in die eigene Kultur erschüttert, weil alles, woran sie bisher geglaubt haben, in Zweifel gezogen wird. Die dritte Phase wird als Recovery bezeichnet. In dieser Phase finden die Partner zu einer neuen Stabilität und finden einen Weg, um beide Weltanschauungen nebeneinander bestehen zu lassen. In der letzten Phase, dem Adjustment, akzeptieren die Mitarbeiter ihr neues interkulturelles Umfeld und beginnen trotz der Unterschiede zusammen zu arbeiten, effiziente Wege der Kommunikation zu finden und einfach mit den Unterschieden zu leben. Ein kleiner (oder manchmal auch größerer) Kulturschock ist nicht zu vermeiden. Darauf sollte man sich als Projektmanager einlassen. Vieles, was selbstverständlich schien, wird in Frage gestellt und das ist nicht immer leicht zu verarbeiten. 


Interkulturelle Kompetenz erlernen

Um seine Fertigkeiten in interkultureller Kompetenz zu verbessern, kann man entweder ins kalte Wasser springen und einfach ins Ausland fahren, um dort an einem Projekt zu arbeiten. Try and error. Aber um ein wichtiges Projekt im interkulturellen Umfeld nicht in den Sand zu setzen, ist vorheriges Training sowie eine Vorbereitung auf die Aufgabe sinnvoll. Zunächst hilft es, sich das formale Wissen anzueignen. Wie wird in dem anderen Land mit Steuern, Finanzen, Versicherungen, Bauvorschriften, Verwaltungsprozeduren und Gesetzen umgegangen? Wie führen die Partner ihre Besprechungen durch? Wie wird gewohnt, gegessen, gefeiert? Was gilt als höflich, was als normal und was als unangemessen im Umgang mit anderen Menschen? Welche Rolle spielen die Geschlechterrollen in dem jeweiligen Land? Wie sind Hierarchien aufgebaut? Wie funktioniert die Arbeitswelt? Mit einem gewissen Grundwissen lassen sich Fettnäpfchen vermeiden. In Thailand ist es zum Beispiel unverzeihlich, jemandes Kopf zu berühren. In arabischen Ländern dürfen Gastgeschenke nur öffentlich überreicht werden und in Japan müssen Sie die Schuhe ausziehen, bevor Sie gewisse Räume betreten. Ein Kopfnicken hat nicht in jedem Land dieselbe Bedeutung.

 
Drei Ebenen der interkulturellen Kompetenz

Neben dem allgemeinen und besonderen Wissen um die fremde Kultur spielen zwei weitere Ebenen eine Rolle: die interkulturelle Sensibilität und die interkulturelle Handlungskompetenz. Weiß man zunächst einiges über seine Geschäftspartner und deren Gewohnheiten, so muss an der Sensibilität gearbeitet werden. Einfühlungsvermögen zu erlernen ist nicht leicht. Es können aber Techniken trainiert werden. Die dritte Ebene zielt darauf ab, Kommunikationstechniken, Konfliktlösungsmethoden und Gesprächstechniken zu erlernen.
 

Trainings für internationales Projektmanagement

Es gibt auch im Rahmen der Zertifizierung von Projektmanagern bei der IAPM eigene Trainingseinheiten für interkulturelle Projekte. Diese werden Contract Culture Training oder Internationales Kommunikationstraining genannt. In diesen Kursen geht es um interkulturelle Kommunikationsprozesse, um Konfliktlösung und -vermeidung sowie um Teambuilding in multikulturellen Teams. Sie können beispielsweise ein Seminar zum Thema Internationales Projektmanagement bei einem IAPM-Trainingspartner belegen oder, wenn Sie bereits eingehende Erfahrung haben, direkt eine Zertifizierung zum Cert. International Project Manager (IAPM) ablegen. Die Zugangsvoraussetzungen finden Sie hier.

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