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Christiane Pütter über agile Methoden

Christiane Pütter über agile Methoden 10.08.2017 - Christiane Püttner schreibt über die Studie "Status Quo Agile 2016/2017", welche an der Koblenzer Hochschule durchgeführt wurde. Sie hat gezeigt, dass agile Methoden, die in der Theorie gut klingen, oft an der Praxis, also an der Anwendung im Unternehmen scheitern. Agile Methoden werden in Unternehmen nicht nur im Bereich der IT eingesetzt, sondern auch in Projekten der unterschiedlichsten Art. Unter den agilen Methoden wird Scrum bevorzugt, gefolgt von Lean und Kaban. Allgemein werden all diese als agil zu bezeichnenden Methoden sehr positiv bewertet. Nach einer anfänglichen Begeisterung und Euphorie hat sich der Boom nun ein wenig gelegt. An der Hochschule Koblenz wurden nun die Ergebnisse der Studie "Status Quo Agile 2016/2017" vorgelegt, für Professor Ayelt Komus aus dem Bereich Organisation und Wirtschaftsinformatik ist dies schon die dritte Studie dieser Art. Etwa 1000 Teilnehmer wurden im Rahmen befragt. 

Ergebnisse der Studie

Eines der Ergebnisse der Studie ist, dass agile Methoden zu 82% in der Software-Entwicklung eingesetzt werden. Etwa 20% der Teilnehmer der Studie gaben an, dass sie ausschließlich mit agilen Methoden arbeiten. Dieser Prozentsatz ist also vergleichsweise gering. 37% der Befragten arbeiten ihren eigenen Angaben zufolge mit einer hybriden Form des Projektmanagements, verbinden also agile und klassische Methoden des Projektmanagements miteinander, um eine möglichst effektive Anwendung zu haben. Zudem haben 31% der Befragten angegeben, zu Beginn eines jeden Projekts auszuwählen, ob mit agilen oder mit herkömmlichen Methoden gearbeitet werden soll, was sie von der Art des Projekts abhängig machen. Die verbleibenden 12% arbeiten nur mit klassischen Projektmanagementmethoden. 

Agile Methoden im Projektmanagement

Unter den agilen Methoden ist Scrum die mit Abstand beliebteste Methode, gefolgt von Kanban, Lean, schließlich DevOps und auch Design Thinking. Es wurden auch weitere Methoden genannt, beispielsweise Extreme Programming, Unified Process und Feature Driven Development. Diese sind jedoch in der breiten Masse wenig verbreitet. Was die Bereiche der Anwendung solcher Programme und Methoden angeht, so wurde herausgefunden, dass 82%, also die große Mehrheit der Nutzer im Bereich der Software-Entwicklung, mit agilen Methoden arbeitet. Hier scheint sich der größte Nutzen zu ergeben. 40% der Nutzer arbeiten mit agilen Methoden auch in sogenannten IT-verwandten Projekten, bei denen zum Beispiel Datenbanken wie SAP eingesetzt werden. Nur 34% der Befragten arbeiten mit agilen Methoden bei Projekten, die keinerlei Bezug zur Informationstechnologie haben. Hier scheint sich das agile Projektmanagement nur langsam durchzusetzen. Bei einer ähnlichen Studie im Jahr 2014 hatten 21% der Teilnehmer angegeben, bei Nicht-IT-Projekten mit agilen Methoden zu arbeiten. Eine deutliche Steigerung ist also in den letzten drei Jahren zu beobachten. 

Schneller mit agilen Methoden?

Die meisten Befragten, die mit agilen Methoden arbeiten – insgesamt 61% – gaben an, dass sie sich von ihrem Einsatz ein schnelleres Erreichen ihrer Projektziele versprechen. Fast die Hälfte der Befragten, 47%, sagten, dass sie sich von den agilen Methoden eine Steigerung der Qualität erwarten. 42% sprachen davon, dass das Reduzieren von Risiken einen großen Vorteil der agilen Methodik darstellt. 40% der Teilnehmer der Studie erwähnten eine verbesserte Moral innerhalb des Projektteams. Immerhin 27%, also noch mehr als ein Viertel der Befragten, betonten, dass sie mit den klassischen Methoden in ihren Projekten bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben und daher auf die agilen Methoden umgestiegen sind. Als Gründe dafür, dass agile Methoden nicht zum Einsatz kommen, wird von 26% angegeben, dass die Methoden ihnen nicht oder nicht ausreichend bekannt sind. Weitere 18% derjenigen, die die Methoden nicht anwenden, haben sich nicht über diese Methoden informiert. Ein hoher Aufwand wird gefürchtet und auch hohe Kosten für externe Berater werden als Hinderungsgründe angegeben. Nur 10% sind schlichtweg nicht von den agilen Methoden überzeugt. 

Fazit

In ihrem Artikel auf http://www.cio.de/a/agile-methoden-im-praxistest,3265990 erläutert Christiane Pütter die Studien und deren Ergebnisse und kommt zu dem Fazit, dass der erste Enthusiasmus verflogen ist. Eine Mehrheit der Unternehmen nutzt heute agile Methoden und schätzt ihren Nutzen so ein, dass er höher ist als es mit klassischen Methoden erreichbar gewesen wäre.
Agile Methoden schneiden im Durchschnitt in den Bewertungen also besser ab als klassische. Frau Püttner hebt hervor, dass bei fast 40% der Projekte der Scrum Master durch einen zusätzlichen Projektleiter ergänzt werde. Die Wissenschaftler betonten auch, dass der Scrum Master teilweise wie ein herkömmlicher Projektleiter agiert. Die Methoden vermischen sich also in der Praxis sehr stark. Die Studie stellt fest, dass agile Projektteams aus durchschnittlich fünf bis neun Mitarbeitern bestehen. Unter den Befürwortern von agilen Methoden ist zu beobachten, dass sie den ständigen Wandel im Unternehmen und in der Arbeitswelt als integralen Bestandteil betrachten. Wer also aufgeschlossen für Veränderungen ist, ist eher geneigt, mit agilen Methoden zu arbeiten und umgekehrt.

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