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Antjes Flurfunck Nr.1

Antjes Flurfunck Nr.1 20.12.2012 - Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch ich kenne meine Pflicht, selbstkritisch zu sein, wenn es angebracht ist. Ja, ich gebe es zu: Jahrzehntelang bin ich von falschen Tatsachen ausgegangen – ein halbes Berufsleben als Projektmanager lang.

Von der Stunde, als ich zum ersten Mal Projektverantwortung übernommen hatte, bis zum heutigen Tag, den ich mit einem Asien-Finnland-Deutschland-Weitere-Vielecksprojekt zugebracht habe, hielt ich den Zufall für ein wild wucherndes Unkraut. Der Zufall: Ich habe ihn stets als Feind betrachtet und ihn auch als solchen behandelt. Zu viele Überstunden verursacht er. Zu viele Kosten. Zu viele Komplikationen. Zu viele außerordentliche Meetings. Ausrotten wollte ich ihn – und verbrachte also viel Zeit mit Best Practice-Modellen.

Und dann kam die Sensationsmeldung. Per Tageszeitung. Gut versteckt zwischen vielen Seiten Nachrichten. „Die Lage ist ernst“, las ich da, noch bei meiner ersten Tasse Morgentee. Na und? Dieser Satz stimmt sowieso täglich, dachte ich mir. Doch schon folgte der zweite, alles entscheidende Satz. Da stand: „Der Welt gehen die Zufallszahlen aus“. War das der Auftakt zur ersten überraschungslosen Phase in meinem Berufsleben?

Liebe Kolleginnen und Kollegen, jetzt war ich gefesselt. Wollte mir der Autor erklären, dass der Zufall vor dem Aus steht, dass er aufgebraucht ist, dieser Feind des Projektmanagements? Wie die Ölvorkommen von Texas und die Gummibärchen in der Tüte von gestern? Aber jener Zufall ist nicht der Zufall, den ich meine.

Albert Einstein hat gesagt: „Falls Gott die Welt geschaffen hat, war seine Hauptsorge sicher nicht, sie so zu machen, dass wir sie verstehen können.“ Und in diesem Sinn hat mir der Artikel Folgendes erklärt:

• Zufallszahlen sind der Rohstoff für Verschlüsselungen im Internet und E-Mail-Verkehr. Ohne sie keine IT-Sicherheit. Sie bilden eine Art Vorhängeschloss. Wenn die Zahlen nicht wirklich zufällig sind, kann ein Computer die Verschlüsselung kinderleicht knacken.

• Die Anzahl der in der Natur der Mathematik vorhandenen Zufallszahlen reicht nicht aus, um die IT-Branche zu versorgen. Der Mangel hat sich bereits so weit zugespitzt, dass auf unechte Zufallszahlen zugegriffen werden muss. 7,1 Millionen für IT-Verschlüsselungen genutzte Reihen hat der holländische Mathematiker Arjen K. Lenstra untersucht. Ergebnis: Sie sind nicht zufällig genug.

• Bei der Suche nach neuen Ressourcen an Zufallszahlen sind weder Computer noch Menschen eine echte Hilfe, weil sie nicht zufällig genug handeln können.

Schon regte sich eine Art Mitgefühl in mir und ich war kurz davor, bei Greenpeace anzurufen und die Aufnahme der Zufallszahl auf die rote Liste der vom Aussterben bedrohten Arten zu verlangen. Aber ich konnte mich beherrschen. Denn beim Weiterlesen kam mir der leise Verdacht, dass diese Sympathie-Initiative auch ein bloßer, wenn auch charmanter PR-Schachzug sein könnte. Schließlich hat die Mathematik bei der absoluten Bevölkerungsmehrheit ein echtes Imageproblem: Wir alle saßen im Mathematikunterricht.

Nicht zufällig also schloss der Artikel mit einer Siegesmeldung. Australier, stand da, haben bereits eine Methode entwickelt, mit der sich fast sechs Milliarden neue Zufallszahlen pro Sekunde gewinnen und ernten lassen. Inwieweit der Zufall für die Produktion eingespannt wird? Hoffentlich ist er mit dieser seiner neuen Aufgabe ausgelastet. Denn dann hat er weder Zeit noch Muße, uns Projektmanager Kopfschmerzen zu bereiten – und die erste friedliche, weil überraschungslose Phase meines Berufslebens wäre tatsächlich eingeläutet. Ich werde meine E-Mails künftig doppelt verschlüsseln. Ewig soll Frieden währen.

Antje Funck ist Representative EU der IAPM und blickt auf mehrere Jahrzehnte Berufserfahrung im internationalen Projektmanagement zurück.


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