Kann ein Projektleiter zu motiviert sein?

Ein unmotivierter Projektleiter tut einem Projekt natürlich nicht gut. Ihm fällt es schwer, andere zu motivieren und er wird Schwierigkeiten haben, alle Aufgaben zeitgerecht zu erledigen. Motivation ist also essenziell für den Job eines Projektleiters oder einer Projektleiterin. Aber wie viel Motivation ist nötig? Viel hilft viel? Leider in diesem Fall nicht. Auch ein Übermaß an Motivation kann problematisch sein. Wie geht man also mit Übermotivation um und was kann man tun, um ein gesundes Maß zu finden?
Geschäftsmann auf einem Dreirad mit einer Rakete auf dem Rücken.

Unterschiedliche Menschen - unterschiedliche Motivationen

Alle Menschen haben etwas, das sie im Inneren antreibt. Motivation spielt in allen Bereichen des Lebens eine Rolle und ist oft entscheidend für Erfolg oder Misserfolg, so auch im Projektmanagement. In einer kritischen Situation kann der Grad der Motivation eines Projektmanagers und damit oft auch seines Teams den entscheidenden Unterschied machen und das Unheil abwenden oder den wichtigen Anstoß geben, der nötig ist, um zum Erfolg zu gelangen. Ebenso wie Motivation helfen kann, kann sie aber auch hindern. Daher muss jeder Projektmanager seine inneren Motive und Motivationen stets im Auge behalten. Wovon werden Sie angetrieben? Wünschen Sie sich Perfektion? Wollen Sie immer alles so schnell wie möglich erledigen? Wie ticken Sie? Dies ehrlich zu beantworten, ist wichtig, denn wer seinen Antrieb kennt, der kann darauf reagieren. So vermeiden Sie das Risiko, dass Ihre inneren Motivationen Sie in eine falsche Richtung drängen.

Motivationstypen im PM

Dr. Taibi Kahler hat in den 70er Jahren das Konzept der verschiedenen Motivationstypen entwickelt und untersucht. Unter den verschiedenen Typen der Motivierten gibt es das „Arbeitstier“, einen PM, der sich stets dazu antreibt, mehr und fleißiger zu arbeiten. Das „Arbeitstier“ ist davon überzeugt, dass der Erfolg nur von harter Arbeit abhängt. Normalerweise verfügt dieser Typ Manager über ein großes Maß an Ausdauer und Durchhaltevermögen. Leider bedeutet dies auch manchmal, dass er nur dann zufrieden ist, wenn die Arbeit fordernd ist. Läuft alles allzu glatt, sind die Arbeitstiere beunruhigt. Hier hilft es nur, sich ab und zu ins Bewusstsein zu rufen, dass man auch mal Glück haben darf, dass die Arbeit auch manchmal einfach Spaß machen darf und dass es nicht auf Teufel komm raus immer schmerzen muss, wenn man erfolgreich sein will.
 
Der zweite Typ unter den motivierten Projektmanagern ist der „Kraftprotz“. Seine Devise lautet, stets Stärke zu zeigen und sich zu neuen Bestleistungen anzutreiben. Er sieht sich gerne als Held, der im Grunde fast alles allein schaffen und den nichts unterkriegen kann. Diese Einstellung kann, wenn sie übertrieben wird, auch zum Problem werden, wenn es zum Beispiel angebracht ist, um Hilfe zu bitten und der Kraftprotz sich dies nicht eingestehen will. 

Kraftstrotzend, hektisch oder Everybody's Darling

Der dritte Typ nach Kahler ist der „Hektiker“, der stets von dem Wunsch angetrieben wird, schnelle Resultate zu erzielen. Er will alle dazu animieren, so schnell wie möglich zu arbeiten und wird leicht ungeduldig, wenn bestimmte Dinge nicht so schnell gehen, wie er sich das vorgestellt hat. Das Gute an Hektikern ist, dass sie andere mitreißen und antreiben können. Wird ihr Antrieb jedoch zu stark, führt diese Übermotivation dazu, dass eine gewisse Hektik auf andere abfärbt, dass Missstimmung und damit auch Konflikte entstehen, was zu Fehlern führen kann. Den übermotivierten Hektikern tut es gut, sich hin und wieder um innere Ruhe zu bemühen und sich ins Gedächtnis zu rufen, dass dort sprichwörtlich die Kraft liegt.
 
Der vierte Typ ist „Everybody's Darling“, der es jedem recht machen will. Manager dieses Typs wollen keine Ablehnung erfahren und alle zufriedenstellen. Klingt gut, ist aber in der Praxis eigentlich nicht möglich. Für ein Team ist es klasse, wenn der Projektmanager über Empathie verfügt und die Bedürfnisse aller anhören und beachten will. Wer aber Probleme damit hat, auch mal jemandem eine Grenze zu setzen oder ein Nein zu präsentieren aus Angst, ihm damit auf den Schlips zu treten, der sollte sich darauf konzentrieren, die Projektziele im Auge zu behalten und seine Strategie daran ausrichten. Everybody's Darling muss sich bewusst machen, dass zum Wohle des Projektes hin und wieder ein fester Standpunkt vertreten werden muss und ein unzufriedener Gesprächspartner in Kauf zu nehmen ist.
 
Als fünftes hat Kahler den „Perfektionisten“ genannt. Dieser Typ will, dass alles immer perfekt ist. Klingt anstrengend, utopisch und schwierig. Generell ist Perfektionismus in gewissem Rahmen keine schlechte Eigenschaft. Perfektionisten müssen sich jedoch in manchen Projektphasen ganz bewusst dazu anhalten, Fünfe gerade sein zu lassen. Manchmal muss man sich auch mit 99 oder 90 % zufriedengeben, vor allem unter Zeitdruck. Oft schätzen Perfektionisten ihr Ergebnis auch als schlechter ein, als es von anderen bewertet würde, sie können die Zügel also ruhig etwas lockerer lassen.

Tipps für Projektmanager mit hoher Motivation

Ganz klar ist es interessant für Projektmanager, sich auf die Suche nach dem eigenen Antrieb zu machen. Welcher dieser fünf Motivationstypen passt am besten zu Ihnen und wo sehen Sie sich selbst? Kommt es vor, dass Ihre Motivation Sie übermannt und Sie übers Ziel hinausschießen? Dann identifizieren Sie Ihren Antrieb und Ihr Motto, um ihn in Zaum zu halten, wenn er mal wieder übermächtig zu werden droht. Es ist auch keine Schande, sich dabei von Mitarbeitern Unterstützung zu holen.
Autor: IAPM intern

Schlagworte: Management, Projektmanagement, Führungskultur, Motivation, Motivations-Typen

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