Arbeiten in interkulturellen Teams
Projektmanagement im internationalen Umfeld unterscheidet sich in vielen Punkten von seinem nationalen Pendant und ist in jedem Fall mehr als „Projektmanagement in englischer Sprache“. Damit internationale Projektteams die Erwartungen erfüllen und erfolgreich sein können, müssen die kulturellen Diskrepanzen beachtet werden, die zwischen den Projektparteien bestehen. Doch was wird unter Kultur verstanden und wie werden wir von dieser geprägt?

Inhalt
Das Drei-Schichten-Modell
Die Prägung eines Menschen kann in einem Drei-Schichten-Modell dargestellt werden. Die erste Schicht ist die menschliche Natur, die uns universell als Menschen definiert. Darüber liegt die zweite Schicht der erlernten, kulturspezifischen Prägung und schließlich die dritte Schicht, die uns zu einer eigenen und individuellen Persönlichkeit macht. Für die Praxis lässt sich daraus ableiten, dass die Kulturprägung nicht als alleiniges Merkmal zur Bewertung eines Menschen dienen kann. Seine Persönlichkeit kann die kulturelle Prägung verstärken aber auch überdecken. Die kulturelle Prägung erfolgt in unterschiedlichen Stufen und in Abhängigkeit zur Umgebung, vom Elternhaus zum Freundeskreis in der Jugend, gefolgt von der Umgebung während der Ausbildung bis hin zum Arbeitsplatz. Dabei ist zu beachten, dass unterschiedliche Kulturkreise auch andere, sogar gegensätzliche Werte vertreten können. Ein Projektmanager muss deshalb das Bild seines Umfeldes immer wieder hinterfragen und anpassen.
Wie wird Kultur definiert?
Kultur kann als ein System von Wertvorstellungen und Ritualen, Regeln und Normen, Heldenfiguren und Symbolen, die wir von der Kindheit an verinnerlichen, definiert werden. Wie bei der Spitze eines Eisbergs sind nur einige dieser kulturspezifischen Parameter sichtbar und spiegeln sich im täglichen Leben in Form von praktizierten Handlungen und verwendeten Gegenständen wider. Der unter der Wasseroberfläche liegende Großteil des Eisbergs bleibt unsichtbar. Genauso verhält es sich mit den, den kulturspezifischen Parametern tiefer zugrundeliegenden Wertvorstellungen. Auch diese bleiben nach außen zunächst unsichtbar. Gleichzeitig bilden diese aber den Kern der Kultur. Diese Wertvorstellungen sind der Maßstab, mit dem wir die Umwelt und unsere Mitmenschen einordnen und bewerten.
Im Folgenden sind die Begriffe beispielhaft unterlegt:
Werte: Typische Begriffspaare, die eine polare Eingruppierung zulassen wie gut – böse, mutig – feige, schmutzig – sauber, schnell – langsam, langweilig – spannend usw.
Rituale: Begrüßung, Geschenke, Tischsitten, religiöse Handlungen, Feiertage, Paraden und politische Feiern.
Helden: Politische, militärische und wirtschaftliche Personen, Sportler, Roman- und Medienfiguren.
Symbole : Architektur, Nahrung, Haartracht, Kleidung, Flaggen, Wappen, Zeichen, Farben.
Mit der Einbindung von Umwelteinflüssen werden die spezifische oder auch die geografische Lage der Kultur und die Wirkung der Umwelt auf diese erfasst, z. B. Wasserknappheit, extreme Wetterbedingungen, die Nähe zum Meer oder zu einem Gebirge.
Im Folgenden sind die Begriffe beispielhaft unterlegt:
Werte: Typische Begriffspaare, die eine polare Eingruppierung zulassen wie gut – böse, mutig – feige, schmutzig – sauber, schnell – langsam, langweilig – spannend usw.
Rituale: Begrüßung, Geschenke, Tischsitten, religiöse Handlungen, Feiertage, Paraden und politische Feiern.
Helden: Politische, militärische und wirtschaftliche Personen, Sportler, Roman- und Medienfiguren.
Symbole : Architektur, Nahrung, Haartracht, Kleidung, Flaggen, Wappen, Zeichen, Farben.
Mit der Einbindung von Umwelteinflüssen werden die spezifische oder auch die geografische Lage der Kultur und die Wirkung der Umwelt auf diese erfasst, z. B. Wasserknappheit, extreme Wetterbedingungen, die Nähe zum Meer oder zu einem Gebirge.
Welchen Herausforderungen begegnet man als Projektmanager?
Kulturelle Unterschiede
Unterschiedliche Kommunikations- und Arbeitsstile können eine Herausforderung für die Zusammenarbeit darstellen. Konflikte entstehen leichter und sind schwieriger zu bewältigen. Unterschiedliche Wertvorstellungen erschweren die Festlegung von Qualitätsmerkmalen, die Beurteilung von Risiken und das Treffen von Vereinbarungen auch hinsichtlich der Termingestaltung.
Unterschiedliche Sprachen – eingeschränkte Kommunikation
Selbst wenn eine gemeinsame Projektsprache gefunden wurde, erhöhen die unterschiedlichen Sprachkenntnisse die Chance von Missverständnissen. Der Einsatz von Dolmetschern würde der einen Seite dieses Manko ausgleichen, auf der anderen Seite aber verringert dies das Tempo der Projektrealisierung und gleichzeitig verliert der Projektmanager die Kontrolle über das Gesagte. Aber auch jenseits der Sprachbarrieren sorgen Kommunikationsmedien wie E-Mail oder SMS durch ihre eingeschränkte Wahrnehmbarkeit des Gegenübers immer wieder für Konfliktpotenzial.
Geänderte Randbedingungen
Je nach Projekt findet sich der Projektmanager möglicherweise in einer Umgebung wieder, die sehr deutlich von der, die er gewohnt ist, abweicht – vom politischen und rechtlichen Umfeld bis zu klimatischen und geografischen Besonderheiten. Eine fundierte und sorgfältige Umfeldanalyse ist zwingend erforderlich und hilft spätere Probleme zu vermeiden.
Arbeiten in verteilten Teams
Für viele Teammitglieder ist es sehr gut möglich in verteilten Teams zu arbeiten. In diesem Zusammenhang wird häufig auch von virtuellen Teams gesprochen. Doch dies ist streng genommen nicht richtig, denn virtuell bedeutet das Gegenteil von physisch und nicht das Gegenteil von real. Die hier angesprochenen virtuellen Teams hingegen sind echte, also reale Teams, doch durch die Verteilung auf räumlich getrennte Standorte sind sie physisch nicht existent. Teams müssen trotz – oder gerade wegen – der räumlichen Trennung auch physisch existent sein. Verteilte Teams können keinen „sozialen“ Austausch praktizieren. Teammitglieder können sich nicht im Auge behalten. Sie können sich nicht qualifiziert umeinander kümmern und für den gemeinsamen Fortgang des Projekts sorgen. Ohne persönliche Kontakte laufen Beziehungen jedoch auseinander, deshalb ist der persönliche Kontakt enorm wichtig. Eine Vernetzung der Teammitglieder auf einer Internetplattform, wie z. B. LinkedIn, stellt keinen Ersatz für den persönlichen Kontakt dar. Der Projektstart mit Analyse- und Planungssessions nur via Videokonferenz leistet das leider auch nicht. Für den Projekterfolg ist die Vernetzung in sozialen Netzwerken, die Arbeit in Telefon- und Videokonferenzen, kombiniert mit echten Treffen unerlässlich.
Persönliche Auswirkungen
Auf Projektmanager und Teammitglieder kommt je nach Projekt eine deutlich erhöhte Belastung zu. Dazu gehören Telefon- und Videokonferenzen zu Unzeiten, um die Teammitglieder aus diversen Zeitzonen kontaktieren zu können, die langen Trennungen von Freunden und Familie wegen erhöhter Reisetätigkeiten oder Auslandsaufenthalten und die ungewohnten, vielleicht sogar extremen Belastungen aufgrund klimatischer Bedingungen vor Ort.
Erfolgspotenzial
Aber internationale Projekte bergen nicht nur Herausforderungen in sich, sondern weisen auch eine Habenseite auf – kürzere Projektlaufzeiten, Kosteneinsparung oder höheres Kreativitätspotenzial können hier genannt werden.
Teamentwicklung bei internationalen Teams
Auch internationale Projektteams unterliegen den üblichen Phasen der Teamentwicklung. Die IAPM sagt dazu: „Insbesondere in der frühen Phase wäre es wünschenswert, die Erfahrung von erfahrenen Kollegen und Coaches zu nutzen, um in gemeinsamen Teamseminaren zusammenzufinden.“
Projektmanager können den sichtbaren, bewussten Anteil der Kulturen relativ leicht in Erfahrung bringen und lernen damit umzugehen – zum Beispiel beim Imitieren der Begrüßungen oder Tischmanieren. Damit ist ein erster Schritt in der interkulturellen Verständigung getan – nach außen sind sie jetzt Teil des Teams. Auf der anderen Seite müssen sie erkennen, dass ihnen ein Großteil des „kulturellen Eisberges“ verborgen bleibt und damit natürlich auch die Motive bzw. die Ursachen für bestimmte Verhaltensweisen und Anschauungen ihrer internationalen Partner. Für ein tieferes Verständnis und eine erfolgreiche Zusammenarbeit reicht es daher nicht aus, nur die sichtbaren Verhaltensweisen zu übernehmen. Vielmehr ist es entscheidend, aktiv in den Austausch zu gehen. Projektmanager sollten gezielt nach Erwartungen, Arbeitsweisen, Kommunikationsgewohnheiten und möglichen Unsicherheiten fragen. Dabei geht es nicht darum, Menschen vorschnell einer bestimmten Kultur zuzuordnen, sondern darum, individuelle Perspektiven sichtbar zu machen und gegenseitiges Verständnis aufzubauen.
Hilfreich sind dafür gemeinsame Teamformate, in denen Rollen, Entscheidungswege, Feedbackregeln, der Umgang mit Konflikten und Erwartungen an die Zusammenarbeit offen besprochen werden. So entsteht ein gemeinsamer Rahmen, der Orientierung gibt und Missverständnisse reduziert. Der Projektmanager hat dabei die Aufgabe, Unterschiede nicht zu bewerten, sondern sie moderierend aufzugreifen und in tragfähige Vereinbarungen für das Team zu übersetzen.
Projektmanager können den sichtbaren, bewussten Anteil der Kulturen relativ leicht in Erfahrung bringen und lernen damit umzugehen – zum Beispiel beim Imitieren der Begrüßungen oder Tischmanieren. Damit ist ein erster Schritt in der interkulturellen Verständigung getan – nach außen sind sie jetzt Teil des Teams. Auf der anderen Seite müssen sie erkennen, dass ihnen ein Großteil des „kulturellen Eisberges“ verborgen bleibt und damit natürlich auch die Motive bzw. die Ursachen für bestimmte Verhaltensweisen und Anschauungen ihrer internationalen Partner. Für ein tieferes Verständnis und eine erfolgreiche Zusammenarbeit reicht es daher nicht aus, nur die sichtbaren Verhaltensweisen zu übernehmen. Vielmehr ist es entscheidend, aktiv in den Austausch zu gehen. Projektmanager sollten gezielt nach Erwartungen, Arbeitsweisen, Kommunikationsgewohnheiten und möglichen Unsicherheiten fragen. Dabei geht es nicht darum, Menschen vorschnell einer bestimmten Kultur zuzuordnen, sondern darum, individuelle Perspektiven sichtbar zu machen und gegenseitiges Verständnis aufzubauen.
Hilfreich sind dafür gemeinsame Teamformate, in denen Rollen, Entscheidungswege, Feedbackregeln, der Umgang mit Konflikten und Erwartungen an die Zusammenarbeit offen besprochen werden. So entsteht ein gemeinsamer Rahmen, der Orientierung gibt und Missverständnisse reduziert. Der Projektmanager hat dabei die Aufgabe, Unterschiede nicht zu bewerten, sondern sie moderierend aufzugreifen und in tragfähige Vereinbarungen für das Team zu übersetzen.
Fazit
Für erfolgreiche internationale Projektarbeit ist weit mehr erforderlich als fachliche Kompetenz oder eine gemeinsame Sprache. Von entscheidender Bedeutung sind interkulturelle Sensibilität, Offenheit sowie die Bereitschaft, unterschiedliche Werte und Arbeitsweisen zu verstehen und in die Zusammenarbeit einzubeziehen. Wer kulturelle Unterschiede als Chance begreift und den persönlichen Austausch fördert, legt den Grundstein für leistungsfähige Teams und langfristigen Projekterfolg.

Autor: Dr. Roland Ottmann
Schlagworte: Projektmanagement, interkulturelle Teams, virtuelle Teams
